Püffe. Ich selbst hatte an der rechten Hand eine Blutver- giftung, fast 40 Grad Fieber, und konnte kaum die Schmerzen ertragen. Da sahen wir unsere Männer auf der gegenüber- liegenden Seite stehen, und ich sah, wie ein Mann von einem der Verbrecher dreimal zu Boden geschlagen wurde. Mit einem Male empfand ich,„dein Mann wird dort geschlagen“. Schon wurde ich zur Kontrolle in die Baracke geschoben. Ich erhielt einen Schlag ins Gesicht, aber ich spürte nichts, ‚ich war wie betäubt.
Unsere Koffer waren schon vorher mit Tastautes zum Mühl- graben geschafft worden, und nachdem wir registriert waren, freuten wir uns auf die warmen Kleidungs- und Wäsche- stücke, die wir in Sicherheit glaubten. Wir kamen spät am Abend müde vom Kaiserwald zum Mühlgraben. Todmüde sanken wir auf unsere Strohsäcke. Unser Erwachen war ein großer Schrecken. Mühlgraben war nichts anderes als eine Filiale vom Kaiserwald, und auch dort erhielten wir unsere Koffer nicht zurück. Der Lagerälteste, die Lagerpolizei, im Innendienst beschäftigte Kolonnenführer und-führerinnnen, vor allem aber der SS -Kommandant Unteroffizier Müller, ein Friseur aus Mülheim (Ruhr), und sein Helfer Saß waren die Nutznießer der aus dem Inhalt unserer Koffer errichteten Kleiderkammer. Vom Mühlgraben aus wurden wir den ver- schiedenen Abteilungen des Armeebekleidungsamts zur Ar- beit zugeteilt. Schon unsere Einteilung vollzog sich in der gleichen Art, wie wir sie im Kaiserwald gesehen hatten. Ich wurde der Kolonne„Infanteriekaserne” als Schneiderin zuge- teilt. Der Weg vom Mühlgraben zur Infanteriekaserne betrug ungefähr drei Stunden. Interessant, wie wir den Weg mach- ten. 500 Menschen wurden in einen Zementkahn verladen wie das liebe Vieh. Aufeinandergedrängt fuhren wir stehend drei Stunden, kamen vollständig verklammt an der Arbeitsstelle an, so daß wir oft für die ersten paar Stunden nicht arbeiten konnten. Abends dieselbe Beförderung. Oft war es 10 Uhr, bis wir ins Lager zurückkamen. Dann mußten wir unsere Suppe und unser Brot holen, so daß es meist 12 Uhr nachts war, bis wir ins Bett kamen, und schon um 4 Uhr am Morgen wurden wir wieder geweckt.
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