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Sadismus oder Wahnsinn : Erlebnisse in den deutschen Konzentrationslagern im Osten / Jeanette Wolff
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Geld waren gestattet, alles andere mußte zur Verfügung der Gestapo bleiben. Ich muß vorausschicken, daß man die meisten Juden schon vorher aus ihren Wohnungen verwiesen und in ein feuchtes Barackenlager am Kanal gebracht hatte. Dort wurden sie zu vielen zusammengepfercht. Wäsche, Möbel und Kleidung wurden zum größten Teil von der Gestapo beschlag­nahmt.

Meinen Mann hatte man 1938 mit der Judenaktion ins Kon­zentrationslager nach Sachsenhausen - Oranienburg geschickt. Er kam 1939 gealtert und ziemlich gebrochen zurück. Nie er­fuhr ich von ihm, was sich im Lager zugetragen hatte. Sein Schweigen war darauf zurückzuführen, daß er nach der be­sonderen Nazimethode unterschreiben mußte, kein Wort über das Lager zu sprechen, andernfalls er sofort ins Lager zurück­befördert würde. Diese Methode wirkte bei allen ehemaligen KZ.- Häftlingen so abschreckend, daß jeder schwieg und so auch die Umwelt nichts von den Vorgängen im Lager erfuhr. Mein jüngstes Mädel war bei der Gestapo denunziert worden, mehrere Male ein Kino besucht zu haben. Das genügte der Gestapo , bei. mir eine Haussuchung zu machen. Auf Grund eines Photos, das man fand, wurde das 19 jährige Mädel ohne Untersuchung fünf Monate in Schutzhaft genommen. Am Tage nach Ablauf dieser Frist wurde sie durch den Gestapo - Kom­missar Bovensiepen ins Frauenkonzentrationslager Ra- vensbrück gebracht. Ohne Wissen der Gestapo hatte ich durch die Hilfe des Gefängnisdirektors von Herne mein Kind am Tage vor der Verschickung ins Lager vier Stunden gesehen und gesprochen. Sie war so blaß und nervös, daß ich sie kaum wiedererkannte. Sie erzählte mir, wie der Kommissar Boven­siepen sich zwei Tage vorher etwa sechs Stunden mit ihr eingeschlossen, sie mit dem Revolver bedroht und geschlagen habe und sie so lange quälte, bis sie schreiend zusammen­brach. Er wollte sie gleich danach erschießen, aber der auf das Schreien hinzugekommene Direktor hinderte ihn daran. Später bat ich die Gestapo in Dortmund- Hörde, mir dieses Kind aus Ravensbrück mit in die Verbannung zu geben. Kommissar Bovensiepen lehnte das hohnlächelnd ab. Über diese Weige­rung bin ich innerlich fast zerbrochen.

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