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Sadismus oder Wahnsinn : Erlebnisse in den deutschen Konzentrationslagern im Osten / Jeanette Wolff
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Sadismus oder Wahnsinn

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Schon am 12. März 1933 wurde ich von den Vasallen Adolf Hitlers verschleppt und in das Frauenzuchthaus Hamborn ( Rheinland) gebracht. In meinem Haftbefehl stand als Grund angegeben: Schutzhaft wegen Beunruhigung der nationalen Bevölkerung. Das schicke ich nur voraus, damit Sie wissen, daß ich für die Nazis kein unbeschriebenes Blatt war. Seit Be­stehen der Nazibewegung habe ich es als Sozialdemokratin für meine wichtigste Aufgabe gehalten, die Nazis in Wort und Schrift zu bekämpfen und zu entlarven. Ich war Sozialdemo­kratin und dazu noch Jüdin, und so habe ich die Segnungen der Hitlerschen Ära bis zur Neige ausgekostet. Ich lebe noch; aber, liebe Freunde und Genossen, manchmal ist das Leben schwerer zu ertragen als der Tod.

Viele von Ihnen erinnern sich sicher noch, daß seinerzeit nach der verlogenen Grünspanaffäre in Paris , ebenso verlogen und ebenso willkommen wie der Reichstagsbrand, eine wahn­sinnige Judenhetze in Deutschland einsetzte. Den Reichstags­brand brauchte man, um die Wahlschlacht 1933 zu gewinnen, die Grünspanaffäre teils als Ablenkungsmanöver, in der Hauptsache aber, um Hab und Gut den Juden zu nehmen. Das Hitlersystem verschlang unglaubliche Summen. Die SS kostete sehr viel Geld; diese Bestie mußte, wie alle Raubtiere, gut gefüttert werden, sollte sie sich nicht gegen ihren eigenen Herrn wenden.

Eines Tages flatterte auch in meine Wohnung der ominöse Evakuierungsbrief der Gestapo : ,, Sie haben sich am 20. Januar, morgens 8 Uhr, mit Ihrer Familie im großen Börsensaal in Dortmund einzufinden, um zum Arbeitseinsatz im Osten ver­wandt zu werden." Auf diesem Schreiben wurde genau fest­gelegt, was jeder an Gepäck mitnehmen konnte, 10 RM an

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