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Ich sah das Vernichtungslager / Konstantin Simonow
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matischen Pistolen und die Schreie der zu Tode Getroffenen zu über- tönen. Wenn der Traktor zu rattern begann, wußten im Lager alle, daß für Tausende die letzte Stunde geschlagen hat. Wir wollen nur ein paar Worte über eine einzige dieser Erschießungen sagen, über die größte Erschießung, die am 3. November 1943 vor sich ging.

Frühmorgens wurde die ganze Wache alarmiert und das Lager durch eine Doppelkette von Gestapoleuten abgesperrt. Von der Cholmer Landstraße zog sich durch das Lager ein endloser Menschen- zug, dessen Reihen aus je fünf an den Händen zusammengebundenen Personen bestanden. Ihre Zahl betrug an diesem Tage achtzehn- tausend. Die eine Hälfte bestand aus Männern, die andere aus Frauen und Kindern. Die Kinder bis zu acht Jahren gingen zusammen mit den Frauen, die älteren Kinder bildeten eine Gruppe für sich. Sie gingen auch zu fünft in einer Reihe und waren ebenfalls an den Händen zusammengebunden. Zwei Stunden, nachdem die Spitze des Zuges im Lager. verschwunden war, ertönte im ganzen Lager und in seiner Um- gebung Musik. Aus Dutzenden von Lautsprechern schallten ohren- betäubende Foxtrotts und Tangos. Das Radio spielte den ganzen Mor- gen, den ganzen Tag und die ganze Nacht.

Diese achtzehntausend Personen wurden auf offenem Feld neben dem neuen Krematorium erschossen. Einige zwei Meter breite und mehrere hundert Meter lange Gräben wurden ausgehoben. Zunächst wurden alle dem Tode Geweihten völlig ausgezogen und mußten sich nackt in diese Gräben legen. Kaum lag eine Reihe Menschen im Graben, wurden sie aus automatischen Pistolen von oben erschossen. Dann wurde die zweite Schicht hineingelegt, und wieder begann die Erschießung. Und das dauerte so lange, bis der Graben angefüllt war. Dann mußten die am Leben Gebliebenen diesen Graben mit Erde zu- schütten, und sie selbst kamen in den nächsten Graben, wo nun sie erschossen wurden. Nur die letzte Reihe der Ermordeten in dem letzten Graben wurde von den Gestapoleuten selbst zugeschüttet. Man vergrub sie so, daß sie nur mit einer dünnen Erdschicht bedeckt waren. Am nächsten Tage begann man, die Leichen der Ermordeten mit-ungewöhn- licher Hast in den Ofen des neuen Krematoriums zu verbrennen, Auf diese Weise brachten die Deutschen an einem Tag achtzehntausend Menschen um.

Zum Schluß müssen noch zwei Deutsche erwähnt werden, oder rich- tiger, ein Deutscher und eine Deutsche, die gefangengenommen worden sind. Der Deutsche hatte direkt, die Deutsche indirekt damit zu tun, was im Todeslager vorging. Der Deutsche heißt Theodor Schollen. Ihn hat noch nicht die verdiente Strafe ereilt, er lebt noch. Er ist 41 Jahre alt. Geboren ist er in Düsseldorf . 1937 trat er in die Nationalsozia- listische Partei und später in eine SS-Abteilung ein. Im Juli 1942 kam er im Lubliner Lager an und wurde dort Rottenführer der SS. Seinem Beruf nach ist er Fleischer aus dem Berliner Schlachthaus, und im Lager übte er das Amt eines Verwalters aus. Zu seinen Pflichten ge-

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