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Ich sah das Vernichtungslager / Konstantin Simonow
Entstehung
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wurde. Dort arbeiteten ausschließlich Slawen, hauptsächlich Polen und Russen. Sie arbeiteten, ohne ans Tageslicht zu kommen, und nach einem halben Jahr unterirdischer Arbeit büßten sie ihr Sehvermögen so stark ein, daß sie unverzüglich gruppenweise ins LublinerVer- nichtungslager geschickt wurden.

Ich habe nur einige Zahlen und Lager genannt, nicht um eine voll- ständige Berechnung der Umgekommenen aufzustellen, sondern um zu helfen, sich wenigstens ein ungefähres Bild von dem Geschehenen zu machen. Ergänzend noch einiges über die nationale Zugehörigkeit der hier Eingelieferten. Die im Lager Umgebrachten waren meistenteils Polen . Unter ihnen waren Geiseln, echte und angebliche Partisanen und Angehörige von Partisanen, außerdem sehr viele Bauern, besonders solche, die aus Bezirken ausgesiedelt worden waren, in denen die deutsche Kolonisierung vor sich ging. Nach den Polen bilden Russen und Ukrainer die größte Zahl der Ermordeten. Ebenso groß ist die Zahl der von den Deutschen vernichteten Juden, die buchstäblich aus allen Ländern Europas , von Polen bis Holland , im Lager zusammengetrieben wurden. Dann folgen ansehnliche Zahlen, jede über mehrere tausend: das sind Franzosen, Italiener, Holländer und Griechen. Eine kleinere, aber ebenfalls beträchtliche Zahl entfällt auf Belgier , Serben, Kroaten , Ungarn und Spanier(die letzteren gehörten offenbar zu den in Frank- reich festgenommenen Republikanern). Aus den gefundenen Personal- ausweisen ersieht man, daß hier Bürger aus aller Herren Länder ein- geliefert waren, und zwar Norweger , Schweizer , Türken und sogar Chinesen. In einem Zimmer der Lagerkanzlei, wo ein großer Haufen von Papieren, Pässen und Personalausweisen der Getöteten auf dem Boden lag, fand ich, als ich aufs Geratewohl diese Papiere herausgriff, im Laufe von zehn Minuten Dokumente Angehöriger fast aller euro- päischen Nationen. Da war der Paß von Sophia Jakowlewna Dussewitschaus dem Dorf Konstantinowka im Kiewer Gebiet, einer ukrainischen Arbeiterin, geboren im Jahre 1917. Da war der Paß mit dem StempelRepublique Frangaise auf den Namen Eugene Duramer, Franzose, Metaällarbeiter, geboren in Le Havre am 22. September 1888. Ein von der Volksschule in Banja-Luka ausgestelltes Zeugnis für Ralo Zunic, Mohammedaner, der die Schule im Jahre 1937 mit dem Zeugnis dobar", d. h.gut inMoral, Naturkunde und Geschichte ab- geschlossen hatte. Ein in Kroatien ausgestellter Paß lautete auf den Namen Jatiranowic, geboren in Zagreb , den dieser am 2. Januar 1941 erhielt. Da war der Paß Jakob Borchardts, geboren in Rotterdam am 10. November 1918, ein Personalausweis von Eduard Alfred Saka, geborenim Jahre 1914 in Mailand auf der Via-Plimo Nr. 29,Größe 175, Körperbau stark, besondere Kennzeichen keine. Da war ein Personal- ausweis Nr. 8544, ausgestellt für Savaranti, Grieche von der Insel Kreta . Ein deutscher Reisepaß lautete auf Ferdinand Lotmann, Ingenieur aus Berlin , geboren am 19. August 1872; da war ein Arbeitsbuch mit dem StempelGeneralgouvernement', ausgestellt für Sigmund Remak,

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