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lingen zu vernichten. Die Organisation des Lagers war in jeder Beziehung einzig dastehend. Findet man in anderen deutschen Mord- einrichtungen alie die Elemente des Systems aus dem Lubliner„Ver- nichtungslager‘ vereinzelt vor, so haben diese grauenhaften Erzeug- nisse der deutschen Tollwut sich in dieser vollständigen, sozusagen lückenlosen Form noch nie so offensichtlich unseren Blicken dar-' geboten wie hier in Lublin . Uns sind Stätten bekannt, wie Sabibor und Bjelshza, wo ganze Züge mit Todeskandidaten auf einer Schmal- spurbahn auf ein abgelegenes ödes Feld gebracht wurden, wo man die Menschen erschoß und verbrannte. Wir kennen solche Lager wie Dachau und Auschwitz.oder das„Großlazarett'' in Slawuta, wo die Zivil- und Kriegsgefangenen durch Schläge, Hunger und Krankheiten allmählich umgebracht wurden. Aber im Lubliner„Vernichtungslager'
waren alle diese Methoden kombiniert. Hier lebten in den Baracken
zehntausende Gefangene, die ununterbrochen ihr Gefängnis bauten, ausbauten und umbauten. Es gab Tausende von Kriegsgefangenen, die vom Herbst 1942 an nicht zur Arbeit zugelassen wurden, deren Lebens- mittelration noch kleiner war als die der anderen Gefangenen und die mit entsetzlicher Geschwindigkeit durch Hunger und Krankheiten umkamen. Es gab hier Todesfelder mit Scheiterhaufen und Leichen- verbrennungsöfen, wo Tausende, ja Zehntausende von Menschen ver- nichtet wurden, die nur wenige Stunden oder Tage im Lager gehalten wurden, je nachdem, wie groß die Zahl der Angekommenen war und wieviel Zeit nötig war, um sie zu durchsuchen und nackt auszu- ziehen. Es gab hier„Gaswagen‘ vom gewöhnlichen Typus und stabil gebaute, betonierte Bunker für Zyklongasvergiftungen. Hier wurden die Menschen auch auf altindische Art verbrannt, auf die allerprimi- tivste Weise: eine Reihe Holzscheite, darauf eine Reihe Leichen, dann wieder eine Reihe Holzscheite und wieder eine Reihe Leichen. Hier wurde die Verbrennung in primitiven Kremationsöfen vorgenommen, die wie große eiserne Kessel gebaut waren, und man benutzte auch ein besonderes vervollkommnetes Krematorium für Blitzverbrennung. Die einen wurden in Gräben erschossen, anderen wurde der Hals- wirbel mit einem eisernen Stock durchschlagen. Hier wurden Men- schen im Wasserbecken ertränkt und auf verschiedenste Arten er- hängt; es gab gewöhnliche Galgen mit einer Querstange und vervoll- kommnete, transportable Galgen mit Flaschenzug und Schwungrad. Lublin war eine Todesfabrik, wo die Zahl der täglichen Todesfälle von zwei Faktoren geregelt wurde: von der Anzahl der ins Lager ein- gelieferten Menschen und von den in einer bestimmten Phase be- nötigten Arbeitskräften für den endlos fortgesetzten’ Bau.
Endgültige Zahlen wird man erst später genau feststellen. Aber einige vorläufige Zahlen lassen sich schon heute erkennen. Alles in allem war das Lager über drei Jahre lang im Betrieb. Als die Rote Armee nach Lublin kam, fand sie im Lager nur einige hundert Russen vor; als sie im Frühling auf Kowel vorrückte, evakuierten
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