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Fern und ewig leuchtet Frieden : ein Erlebnis aus dem Zeitgeschehen nach Berichten sowie Aufzeichnungen eines zum Tode Verurteilten / dargestellt von Willo Wenger
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FERN UND EWIG LEUCHTET FRIEDEN

vierzehn Tagen gekommen, als ich selbst als Kranker dort lag- ich wage nicht weiterzudenken. Wieder ist der Tod nah an mir vorbeigegangen. Noch nie ist mir das Töten als Prinzip ohne Gerichtsurteil, der organisierte Massenmord, so klar ins Bewußtsein gedrungen wie heute.

Es war wie ein Blitzschlag aus klarem Himmel.

Nur die Prominenten unter den Gefangenen, welche auch ein besseres Revier mit einer besseren Ausrüstung an Arzneimitteln haben, sind von der Vergasung ausge- nommen. Auch das ist kennzeichnend für die feige Heuchelei der führenden Stellen.

Diese Prominenten lerne ich erst allmählich von Ansehen kennen. Viele ungarische Diplomaten, ein holländischer Wirtschaftler, ein französischer Militärattache, ein rus- sischer General, ein polnischer. Graf, ein früherer Wirt- schaftsminister Belgiens , ein hoher katholischer Würden- träger. Wirklich eine vornehme Umgebung!

Es gelingt dem Schweizer und dem Internationalen Roten Kreuz Ende März, einen großen Teil dieser Men- schen, deren Namen im Ausland bekannt sind, mit einer Omnibuskolonne aus dem Lager abzuholen. So groß ist doch schon die Angst der führenden Kreise, daß sie den Forderungen des Internationalen Roten Kreuzes nach- geben.

Das Morden geht weiter.

Allmählich rückt die Gefahr, von deren Bestehen wir schon lange wissen, immer mehr in greifbare Nähe Schon zweimal ist der Befehl gekommen, daß das ganze

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