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Fern und ewig leuchtet Frieden : ein Erlebnis aus dem Zeitgeschehen nach Berichten sowie Aufzeichnungen eines zum Tode Verurteilten / dargestellt von Willo Wenger
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der christlichen Denkform einer sozialen Ordnung." ,, Ja", fährt Doktor T. fort, und es ist, als ob ein lang ver­schütteter Quell in seinem Inneren plötzlich auf­bricht.- ,, Dieser Staat maßt sich als oberster Gesetzgeber die Bestimmung des menschlichen Schicksals an, und so entsteht diese skrupellose Art schematischer Menschen­behandlung durch alle, die sich in die geistige Knecht­schaft dieser Staatsidee gegeben haben. Und das Ergeb­nis ist die tolle und brutale Vergewaltigung des Einzel­menschen, wie sie diese Art Ärzte vornehmen. Es spricht jeder wissenschaftlichen Methode Hohn, was hier be­trieben wird."

T. hat sich auf seine impulsive Weise in Eifer geredet und er doziert jetzt wie in einem Hörsaal. All die ver­haltene Wut, der brennende Abscheu brechen aus ihm hervor, zeigen den tödlichen Haß, die kalte Verachtung. Zeigen, wie tief er sich in seiner Berufswürde gedemütigt fühlt durch die Vorgänge, die er hier erleben muß. ,, Jeder wirkliche Arzt muß es ablehnen, bei diesen sogenannten Versuchen mitzuwirken, welche der reine Hohn auf die ärztliche Wissenschaft sind; denn das ist ja das Satanische, daß von vornherein klar ist, daß der größte Teil der armen Versuchsopfer sterben muß. Und wenn man feststellen will, am lebenden Menschen prüfen will, wieviel er aushält, bevor er stirbt, so ist das perverser Sadismus."

Seine Augen blitzen, sein Gesicht zuckt unaufhörlich. Jeden seiner Sätze unterstreicht er mit kräftiger Hand­bewegung.

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