FERN UND EWIG LEUCHTET FRIEDEN
an diesem Abend geschah, aber keiner hat ein Wort dagegen gesagt, und einige sollen geweint haben.“
H.s Gesicht weist wieder das innere Leuchten auf, das ihn so anziehend macht.
Auf dem Gang erschallt der Ruf, daß wir zur täglichen Bewegung uns fertigmachen sollen. Ich lege die Patience-Karten zusammen, meine alte Leidenschaft, der ich täglich fröne, und drücke die Zigarette aus. Rauchen in den Zellen ist hier offiziell erlaubt, und ein freund- licher Zufall will es, daß H. Nichtraucher ist. So darf ich seine Zigaretten„erben“.
Mein Zellengenosse ist überhaupt ein großer Einteiler und macht für jeden Tag ein Programm, an dessen Durchführung er zäh festhält. Auf diese Weise habe ich manchen Vorteil in der Ordnung des Tages.
Heute bin ich auch imstande, meine Mitgefangenen mir genauer anzusehen. Am meisten interessieren mich die „Politischen “. H. hat mich schon auf einige vorbereitet. Außer den beiden Pfarrern, von denen der eine zum Tode verurteilt ist, und die ich heute aus der Ferne nur flüch- tig sehe, tritt auch noch ein langer, hagerer Mann in mein Blickfeld, der mit seiner leicht vornübergeneigten Haltung und der kühlen und selbstsicheren Art seines gutgeschnittenen Gesichtes, aus dem ein Paar graue Augen- von vielen, kleinen Fältchen umgeben- scharf und etwas mißtrauisch in die Welt blicken, der Typ eines Landwirts aus dem Osten sein konnte. Von den beiden Professoren der Philosophie, die hier auf ihr Urteil warten, lerne ich heute nur den einen kennen. Ein klei-
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