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Schutzhäftling 409 / Arnold Schulz
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Meine Biographie

Am Tage, als der ,, Vater" des Sozialistengesetzes, Otto von Bismarck , die Augen schloß, erblickte ich in Stendal das Licht der Welt. Im vierten Stockwerk unter dem Dache eines Mietshauses in der Frommhagenstraße empfing ich durch einen evangelischen Pastor die Nottaufe und erhielt die Vornamen: Erich Werner Arnold. Ich war das zehnte Kind meiner Mutter, und nach mir schenkte sie noch vier Kindern das Leben. In einem alten Wäsche­korb meiner Großeltern liegend, verbrachte ich die ersten Tage und Wochen meines Erdendaseins. Wenn ich auch nicht der Benjamin in der Familie war, so blieb ich doch das Sorgenkind meiner Mutter bis zu ihrem Tode.

Mit noch dreizehn Geschwistern lernte ich in der ersten Jugendzeit bittere Not und Sorgen kennen. Das Einkommen meines Vaters, eines kleinen Eisenbahnbeamten, reichte bei weitem nicht aus, um vierzehn hungrige Kindermäuler zu sättigen. Meine Mutter mußte mitverdienen. Neben der Versor­gung von vierzehn Kindern, ohne Stellung eines Pflichtjahr­mädchens, schleppte meine Mutter Kohlen ab von Pferde­fuhrwerken in die Kellerräume besserer Herrschaften.

Mit dreizehn Jahren kam ich gegen meinen Willen in die Lehre zu einem Schneidermeister. Ein Jahr später brannte ich durch und marschierte zu Fuß die Elbe abwärts nach Hamburg , von da aus wollte ich weiter nach Amerika . In dem kleinen Ort Werben an der Elbe schnappte mich aber wieder die Polizei und brachte mich ins Elternhaus zurück. Nun mußte ich wieder ohne Lust und Liebe auf dem harten Schneidertisch hocken. Der Ausbruch des Weltkrieges 1914 erlöste mich von dem verhaßten Schneider­tisch, und die Wogen der großen politischen Ereignisse warfen mich nach der Reichshauptstadt Berlin .

Als Laufbursche, Hausdiener, Kellner und Fabrikarbeiter lernte ich in Berlin das ganze Elend der Großstadtjugend am eigenen Leibe kennen. Hungernd und ekelnd verließ ich 1917 Berlin und gelangte nach mancher Irrfahrt nach dem Westen des Reiches.

In Essen, Köln und Leverkusen ich trocken Brot wie alle Jungarbeiter der damaligen Kriegszeit. In den bestehenden Arbeiter- Jugendorganisationen fand ich reichliche Betätigung und die Befriedigung meiner geistigen Bedürfnisse. Den bestehenden unsozialen Verhältnissen sagte ich den Kampf an.

Beinahe zwei weitere Jahrzehnten widmete ich mich diesem heiligen Kampfe für Arbeit, Brot und Freiheit. Von meinen Gegnern erntete ich dafür Haß und Verfolgung, aber die Gleich­gesinnten bezeugten mir Liebe und Achtung. Es war ein mühe­voller und opferreicher Weg. Auf diesem Wege fand ich nur wenig Behagen und Sonnenschein, aber desto mehr Dornen und Disteln.

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