Druckschrift 
Schutzhäftling 409 / Arnold Schulz
Seite
27
Einzelbild herunterladen
  

Schutz­

Erikas Briefen hatten wir viel zu verdanken, und sie halfen uns politische Gefangene oft über schwere Stunden hinweg. Unvergeßlich werden sie allen Schutzhäftlingen der Baracke 16 des Konzentrationslagers Sachsenhausen bleiben.

Lager­

einige

gewehr­drohen­

n.

ber der Schutz­äftling, werden. Mannes

als der ,, Bock" ,, Bock"

htet ins auf den

gen mit

uf Schuß dgewor­ber.

ten zur enschen­twendig

ber den säß und

rät hing nslagers verliebt.

, gelobt

sie war and Ge­t einge­

Vorbild

enfeuern­rzeugten

n.

Mit dem Schemel in der Zelle erschlagen

Ein ehemaliger Regierungsrat aus Mecklenburg wurde im Frühjahr 1938 im Konzentrationslager Sachsenhausen eingeliefert. Das ordentliche Gericht hatte ihn freisprechen müssen, aber die Gestapo hatte ihn als Arbeitssklaven ins Konzentrationslager abgeschoben. Nach einigen Tagen war der Regierungsrat schon in der Strafzelle, angeblich wegen Faulheit bei der Arbeit. In dieser Strafzelle gab es außer einer Betonpritsche keinen Gegenstand. Hier in diesen Strafzellen Die Fenster waren verdunkelt. spielten sich die scheußlichen Szenen gemeinster und brutalster Folterungen ab.

Eine dieser wahnsinnigen Quälereien wurde das sogenannte ,, Wäschepaket" genannt. Hatte einer der wachhabenden SS - Leute das besondere Bedürfnis, einen Gefangenen besonders zu quälen, so geschah das nach folgenden Methoden: Der Gefangene muẞte einen Tisch unter das Fenster der Zelle stellen, und auf diesen Tisch mußte sich der Gefangene dann legen, mit dem Rücken nach oben. Die SS - Banditen nahmen dann eine Kette und zogen dem Wehrlosen die Arme und Beine auf dem Rücken mit der Kette zusammen. Sie hängten die Kette an das Gitter des Zellen­fensters und zogen den Tisch unter dem Aufgehängten fort. Stundenlang ließen sie dann ihr Opfer in der Luft hängen. Wahn­sinnige Schmerzen hatte dann dieses in der Luft hängende, mit Ketten zusammengezogene Menschenbündel.

In eine dieser Strafzellen war nun auch der ehemalige Regierungsrat gekommen. Schon nach drei Tagen wurde uns bekannt: er habe sich in der Zelle erhängt. Seine Angehörigen hatten das Leichenauto geschickt, um ihren geliebten Toten in der Heimat zu bestatten.

Da der Tote aber in einer Schweizer Lebensversicherung gewesen war, wurde er von einem Vertrauensarzt nachträglich untersucht. Diese Untersuchung hatte ergeben, daß der Tote infolge eines Schädelbruches verstorben war. Da auf Grund dieser Untersuchung die Schweizer Versicherung die Auszahlung der Versicherungsprämie verweigerte, mußte die Lagerführung not­gedrungen eine Untersuchung einleiten. Die eingeleitete Unter­suchung ergab, daß der ehemalige Regierungsrat in der Haft­zelle von einem Oberscharführer der SS mit einem Schemel erschlagen worden war.

27