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Schutzhäftling 409 / Arnold Schulz
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ihren Lieben daheim, sondern sie müssen nach Sachsenhausen , um dort ein neues Lager aufzubauen. Sachsenhausen liegt bei Oranienburg in der Mark Brandenburg. Eines Tages müssen wir unsere Habseligkeiten zusammenpacken und uns abmarsch­bereit halten. Unsere ganze Briefpost der letzten Monate müssen wir vor den Augen der SS - Leute vernichten. Zu Fuß geht es dann bis zur nächsten Station des ,, Moorbahn- Expreß". In geduckter Stellung sitzen wir in den kleinen Wagen dicht zusammen­gedrängt, wer es wagt, sich zu erheben, wird erschossen.

In Papenburg werden wir umgeladen in geschlossene Vieh­wagen der Reichsbahn. In jeden Waggon kommen fünfzig Ge­fangene, und dann wird der Waggon von außen verschlossen. Bei Anbruch der Dämmerung verläßt der Zug mit der lebenden Fracht die Station, in der Richtung über Bremen nach Berlin .

Dicht gedrängt hocken die Gefangenen in den einzelnen Waggons und fahren einer Zukunft entgegen, die grau und düster vor ihnen liegt. Was wird uns Sachsenhausen bringen? Das ist die Frage, die alle Häftlinge bewegt. In den Waggons macht sich nach kurzer Zeit schon eine dumpfe, stickige Luft bemerkbar. Unsere Notdurft müssen wir in einem alten Eimer verrichten. Wenn der Eimer voll ist, kippen wir den Inhalt zum Fenster hinaus.

Diese Elendsfahrt dauert zirka fünfzehn Stunden, meistens fährt der Zug die Güterstrecken der Reichsbahn. Größere Bahn­höfe werden vermieden, damit die lebendige Menschenfracht im Dritten Reich nicht auffällt. Nur in Stendal hält der Zug auf dem Personenbahnhof, da die Maschine Wasser fassen muß. Es war um Mitternacht, und nur ganz wenige Menschen waren auf dem Bahnsteig, wo der Zug hielt. Vergeblich versuche ich durch die Fensterluke des Waggons die Umrisse des Bahnhofsgebäudes_ zu erkennen. Der Bahnhof Stendal weckt alte Erinnerungen aus meiner Jugendzeit. Nur wenige Minuten vom Bahnhof habe ich einen alten Vater wohnen. Aber das sind Dinge, an die ein politi­scher Gefangener nicht denken darf. Alle menschlichen Gefühle und Regungen müssen unterdrückt werden; denn im Dritten Reich ist der Schutzhäftling nur ein numerierter Arbeitssklave. Je näher wir unserem Bestimmungsort kommen, um so mehr verlangsamt sich die Fahrt. Es ist inzwischen heller Tag geworden, und der Zug kriecht wie eine Schnecke um Groß- Berlin herum. Gegen zehn Uhr vormittags steht der Zug auf dem Bahnhof Sachsenhausen zum Ausladen bereit. Tausende von SS - Leuten aus Berlin- Brandenburg sind aufmarschiert, um uns Staatsfeinde des Dritten Reiches in Empfang zu nehmen. Vom Bahnhof erfolgt der Marsch zu Fuß ins Lager Sachsenhausen. Die tausende SS­Leute mit aufgepflanzten Bajonetten bilden eine dichte Gasse, durch die wir hindurch müssen, vom Bahnhof bis zum Eingangs­tor des Lagers.

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