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Schutzhäftling 409 / Arnold Schulz
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Bruder, wo bist Du?

Wieder einmal fehlte ein Schutzhäftling beim Morgenappell. Eine Stunde vor dem Appell war der Fehlende noch mit seinem Bruder zusammengewesen, und jetzt ist er vom Erdboden wie verschwunden. Stundenlang stehen wir schon in Reih und Glied angetreten auf der Lagerstraße des Konzentrationslagers Ester­ wegen und erwarten mit großer Ungeduld das Suchergebnis der SS - Leute.

Die SS - Leute durchsuchen alle Ecken und Enden des Lagers. Alle Keller, Schuppen, Werkstätten, Lagerräume und Aborte werden eingehend durchsucht, um den Vermißten zu finden. Der Bruder des fehlenden Kameraden muß sich mit an der Such­aktion beteiligen. Sein sich immer wiederholender quälender Ruf: ,, Bruder, wo bist du?" verhallt unbeantwortet in dem großen Lager.

Der Lagerführer schäumt schon vor Ungeduld, weil sein zweites Sonntagmorgenfrühstück unberührt auf dem weißge­deckten Tisch im Kasino kalt werden muß. Die einzelnen SS­Leute fluchen um die Wette, daß der ,, Hammel" von Schutz­häftling sich auch noch gerade einen Sonntagvormittag zum Ver­schwinden aussuchen mußte.

Als wenn der Erdboden ihn verschluckt hätte, der Fehlende ist nicht aufzufinden. Noch einmal jagt der Lagerführer seine Häscherbanden los, um den Vermißten zu finden. Die Häftlings­aborte werden noch einmal gründlich durchsucht. Da findet einer der SS - Leute Blutspuren in einem der Häftlingsaborte. Schnell werden lange Stangen herbeigeschafft. Die fünf Meter tiefe Abortgrube wird mit den langen Stangen durchwühlt

und nun erscheint an der Oberfläche eine dunkle Masse, Häftlings­hände müssen zufassen, und der Langgesuchte wird aus der stinkigen Grube herausgezogen.

Unter lästerlichen Flüchen der SS - Leute wird der Tote bei­seite geschafft. Die SS zieht ab zu ihrem zweiten Morgenfrühstück und registriert in ihrem Lagerbuch: ,, Schutzhäftling 917 durch eigenes Verschulden in einer Abortgrube ertrunken." Die Schutz­häftlinge marschieren mit trüben Gedanken zu ihren Arbeits­stellen. Wieder hatten sie durch ein grausiges Geschick einen guten Kameraden verloren.

Eine Mutter stand weinend am Tor

Unser junger Kamerad Heinz Mohr läßt schon seit einiger Zeit den Kopf hängen und ist für nichts mehr zu gebrauchen. Briefe nach Hause schreibt er auch nicht mehr. Wir kennen seine

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