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Schutzhäftling 409 / Arnold Schulz
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Laßt doch das Schwein versaufen!

Brennendheiß steht die Augustsonne am Himmel. Nur mit den Hosen bekleidet, bis zu den Knieen in Schlamm und Dreck, stehen die Gefangenen des Sonderkommandos des Konzentrationslagers Wuppertal- Kemna und schaufeln ohne Unterlaß. In einer Rem­scheider Kläranlage sollen sich versteckte Waffen der Kom­munisten befinden, und nun mußte die ganze Kläranlage leer geschaufelt werden, um die versteckten kommunistischen Waffen ans Tageslicht zu bringen.

Die ganze Kläranlage ist von einem großen Aufgebot Rem­scheider Polizeibeamten und schwerbewaffneter SA- Leuten ab­gesperrt. Während die Gefangenen vor Durst und Anstrengungen bei der glühenden Hitze bald umfallen, pfeifen über ihren Köpfen die Kugeln der antreibenden und schimpfenden SA- Leute hinweg. Die Absperrmannschaften der SA vertreiben sich die Zeit mit wilden und planlosen Schießereien. Eine der Kugeln fliegt in die Reihen in der Nähe spielender Kinder. Ein kleines zehnjähriges Mädchen sinkt tödlich getroffen nieder. Es wurde das Opfer der schießwütigen braunen Soldateska.

Nach stundenlangem sinnlosem Schaufeln wurde die Arbeit eingestellt, von kommunistischen Waffen war nichts gefunden worden. Die todmüden Gefangenen wurden nun vollständig splitternackt unter Kolbenstößen der SA in die nächste große Wassersenke getrieben. Durch den plötzlichen Temperaturwechsel und der totalen Erschöpfung flimmert es mir vor den Augen, meine Arme greifen ins Leere, und ich versinke im Wasser.

Noch einmal denke ich an die Freiheitsbewegung, an meine Lieben daheim und empfinde den zu erwartenden Tod als ein himmlisches Geschenk der Erlösung von allen Quälereien der braunen Mordbanditen, dann schwinden mir die Sinne. -

Der Genosse Otto Böhner aus Wuppertal hatte den Vor­gang bemerkt, kurz entschlossen war er untergetaucht und schleppte meinen leblosen Körper ans Ufer, trotz der brüllenden SA- Leute, die da riefen: ,, Laßt doch das Schwein versaufen!" Genosse Otto Böhner hat mir das Leben gerettet, mehrere Monate später hauchte er sein tapferes Leben aus in einer der Moorlager­höllen der SS.

Frauen kreuzen unseren Weg

Wir befanden uns auf der Bahnstrecke Hamm- Hagen im stickigen Transportwagen der Reichsbahn im Mai des Jahres 1934. Von dem herrlichen Maientag da draußen verspüren wir nichts in den engen kleinen Zellen des Transportwagens. Alle Zellen sind vollgepfroft mit politischen Gefangenen.

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