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Aus dämmernden Nächten : Gedichte / Roman Gebler
Entstehung
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Zweites Lied

Einsam ist es am Gestade und der himmel wolkenschwer. Drunten liegt es ausgebreitet, wundervoll, das tiefe meer. In der Ferne schwebt ein Adler, der die Wellen kosend streicht; Weiter noch, da naht ein fahrzeug, winzig, einem Punkte gleich. Doch dort unten, an den klippen, wo die Brandung ewig rauscht, Steht im Pilgerkleid ein Wand'rer, der des Meeres Sprache lauscht.- Bei dem Anblick spricht er leise: ,, Wird so wehmutsschwer mein Herz, Gib mir Freiheit, gib Erkennen- heile du der Wunden Schmerz!"

,, nirgends habe ich gefunden, was der Seele Sehnsucht stillt, nur allein in deiner Nähe pocht das Herz nicht gar so wild. Längst verlernte ich das Lachen, längst den frohen Liedersang, Und so geh' ich, weiter kämpfend, gehe vorwärts meinen Gang."

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,, nur der bitt'te kampf im Dasein ist geworden mein Geschick. Ach die Leiden, nur die Leiden, sie allein nur sind mein Glück. Und so will ich schweigend tragen, ist das Leid auch noch so schwer, Sind die Stunden oft so einsam und das Herz so freudeleer. Bis dereinst im Strom des Lebens, sich mein Schicksal hat erfüllt, Dann ist aller Gram erstorben und die Sehnsucht auch gestillt." Einsam ist es am Gestade und der himmel wolkenschwer. Drunten liegt es ausgebreitet, wundervoll, das weite meer. In der ferne schwebt ein Adler, der die Wogen kosend streicht, Weiter noch, da naht ein fahrzeug, das fast einer Möve gleicht. Doch dort unten, an den klippen, wo die Brandung ewig tauscht, Steht im Pilgerkleide, aufrecht noch, der Wanderer und lauscht.

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