Druckschrift 
Jedem das Seine : satirische Gedichte / Karl Schnog ; Zeichnungen von Herbert Sandberg ; Nachwort: Eugen Kogon
Entstehung
Seite
85
Einzelbild herunterladen

DIE OPFER RUFEN

Wieviel dazwischen lag, Bis wir in die Grube sanken Oder grau zu Asche fielen. Qual um Qual, Tag um Tag, Schlag um Schlag.

Und immer in den Sielen.

Wieviel Erniedrigung und Schmutz, Wieviel Verachtung, Kälte, Grauen; Wie fern von Wärme, Liebe, Frauen, Fern von Geborgenheit und Schutz. Wieviel Entsetzen, endlos viel, Das nie und nie zu Ende ging. Von kalter Grausamkeit ein Ring. Und immer nur der Tod als Ziel.

Ihr seht uns nur dahingerafft, Als Opfer, Gleichnis und Idol. Verzeiht: uns klingt das Mitleid hohl; Leer eure Worte, ohne Kraft.

Denn: nicht ein Heldenbildnis blieb,

Nicht ein entseelter, stummer Gast:

Ein Wrack, ein Krüppel, Dreck, ein Sieb. Zerwühlter Schlamm- Haut- Blut- Morast...

Wenn diese Welt die Qual vergaß, Dann sind wir nur ein stinkend Aas, Dann sind wir nur ein modernd Fell. Dann wird die Erde nie mehr hell. Wir dürfen nicht im Schutt vergehn. Wir müssen wieder auferstehn. Wir müssen bei euch, um euch sein

-

In eines neuen Tages Schein. Denn sonst war nutzlos alle Pein!

85

95