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Jedem das Seine : satirische Gedichte / Karl Schnog ; Zeichnungen von Herbert Sandberg ; Nachwort: Eugen Kogon
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FRAU DAMALS

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Wer lacht denn so roh?

Da gibts nichts zu lachen, ich heiße mal so

Und bin aus der besten Familie.

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Mein Urgroßgroßonkel war fast- Philosoph, Mein Vater ein Richter am Volksgerichtshof ,

Ich selbst heiße Karin- Cäcilie.

Mein erster Gatte war Garde- Ulan,

Und auch mein zweiter hat nie was getan,

Er hieß Freiherr Schkeudewitz- Trotha.

Er war mit dem Kaiser verwandt( ganz entfernt), Wir haben alle nichts Rechtes gelernt, Doch standen wir damals im Gotha ".

Wenn ich an die großen Zeiten denke, Reichslandbund, Luisenbund,

Wenn ich mich ins Kaiserreich versenke: Gott, war unser Deutschland da gesund!

Damals hat es so was nicht gegeben. So was war beim Kaiser nicht erlaubt. Damals konnte man nach Höh'rem streben. Damals. Damals!

Ja, und überhaupt...

Als Dritter kam Damals und nahm mich zur Frau, Erst war er nur Blockwart und ich NSV.

Doch später, da sind wir gestiegen.

Mein Mann war im Reichstag und sagte nur ,, Ja"

Und er führte die Kasse im NSKK .

Und mein Sparbuch, das wuchs mit den Siegen! Wir hatten zwei Villen und Reichsmarschalls Gunst. Und Autos und Pferde und ,, jüdische Kunst" ( Was ,, artfremd", das ward uns gespendet). Wir hatten ein Jagdschloß und einen Palast, Und einmal war beinah der Führer zu Gast, Den uns der Himmel gesendet.

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