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Jedem das Seine : satirische Gedichte / Karl Schnog ; Zeichnungen von Herbert Sandberg ; Nachwort: Eugen Kogon
Entstehung
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ES IST ALLES WIEDER DA!

Es sind noch nicht anderthalb Jahre, Seitdem sich die Menschheit gedacht, Jetzt endlich käme das Wahre, Jetzt käme das Ende der Macht, Jetzt kämen die goldenen Zeiten, Wo der Löwe sanft ruhe beim Lamm, Wo Menschen sich Freude bereiten Und Keiner vor Keinem steht stramm.

Es sind kaum anderthalb Jahre, Da man glaubte, man habe gelernt, Man liebe das Gute, das Wahre, Und jeder Konflikt sei entfernt. Es gäbe nicht Falschheit und Rache, Nicht mehr Verleumdung noch Dieb, Und Jeder vertrete die Sache, Für welche er sprach oder schrieb.

Es sind noch nicht anderthalb Jahre, Seitdem uns die Sintflut so nah, Doch wie ich fast täglich erfahre- Ist alles, was war, wieder da:

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Es gibt wieder neuerdings Tränen, Gibt wiederum Eimer voll Dreck, Gibt Tiger, Schakale, Hyänen

Und Schiebung und Schande und Scheck.

Es sind noch nicht anderthalb Jahre, Seitdem man sich bessern gewollt, Wir hupften dem Tod von der Bahre, Doch der uralte Wahn uns umtollt. Sie schimpfen, sie streiten, verdrehen, Sie spritzen mit Galle und Gift, Es ist, als wär nichts geschehen, Ich mein, was die Menschheit betrifft:

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