OFFENES WORT IN EIGENER SACHE
Ich will euch sagen, liebe Volksgenossen, ( Die ihr jetzt wieder Demokraten seid): Warum die Freiheitsmonde, kaum verflossen, Schon wieder angefüllt von Haß und Neid. Von eurem Hasse und von eurem Neide, Die ihr mir zeigt, der kaum dem Tod entrann.
Weil ich jetzt gehen darf in ganzem Kleide Und etwas besser esse, dann und wann. Und weil ich, nicht mehr in Baracken hausend, Ein wenig atme, der ich lang gequält. ( Es leben Zwanzig-, starben Fünfzigtausend! Ihr sprecht von uns, die werden nicht gezählt!)
Ihr machts uns schwer, geliebte Volksgenossen, ( Die ihr jetzt wieder Demokraten seid).
Ich kam nach Deutschland , dem ich einst entsprossen, Aus fremdem Land, wo wenig Müh und Leid.
Ich kam freiwillig, um mit euch zu leben ( Die ihr mir beinah doch das Leben nahmi),
Ich wollt euch Trost und wollt euch Hilfe geben.
Ihr aber höhnt und schimpft und krächzt und kramt. Ihr schreibt uns allen, daß wir- übertrieben
Und wieder säten neuen Hasses Keim.
Und ich verlor doch alle meine Lieben,
Verlor fünf Jahre, Freiheit, Kraft und Heim...
Ihr seid entsetzlich, liebe Volksgenossen, ( Die ihr jetzt wieder Demokraten seid). Zu allem Unrecht seid ihr schnell entschlossen, Nur nicht zur Einsicht, Prüfung und Entscheid. Ihr seht das Elend nur in euern Mauern, Nicht aber, was ihr ringsum aufgehäuft;
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