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Jedem das Seine : satirische Gedichte / Karl Schnog ; Zeichnungen von Herbert Sandberg ; Nachwort: Eugen Kogon
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BERLINER NACHTGESPRÄCH

,, Junge, sag, was ist in dich gefahren, Hast dich heute ja so fein gemacht: Blanke Schuh, Pomade in den Haaren. Wohin willst du mitten in der Nacht?"

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,, Quatsch nich, Oller, laß doch det Jeflunker. Mieser Kackschmus. Hältste mir fier doof? Wohne du mal, so wie ick, im Bunker. Ick ha Neese pläng, ick jeh zun Schwoof!

Meine Eltern sind verschütt jejangen, Und mein Bruder kam aus Charkow , lahm. Meinen Onkel hamse uffgehangen! Na und ick: will wat vont Leben ham!

Zijaretten jejen Kombineechen.

Sehn Se, so wat bringt mir jleich in Trab. Schwarzer Marcht und nette, kleene Meechen. Viel Verjniejen, Herr, ick have ab.

Ick will leben, wenn der Herr jestatten. Ick schieb Kohldampf, seit ick denken kann. Na und heute: Hunger! Kälte! Ratten! Also: raus ausn Bau und nischt wie ran!

,, Junge, geh: Du bist zutiefst verdorben. Ja, dein Vater fiel bei Leningrad . Auch dein Onkel ist umsonst gestorben! Und um dich, mein Kind, da ist es schad."

,, So jefiehlvoll, Mensch? Wer nur nich krötig. Bei mir zieht det nich, wer hat, der hat. Ihr Erwachsnen habt det jrade nötig! Mensch, zieh Leine, denn ick hab euch satt!!

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