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Jedem das Seine : satirische Gedichte / Karl Schnog ; Zeichnungen von Herbert Sandberg ; Nachwort: Eugen Kogon
Entstehung
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Sie jagten den Gefährten, den Gespielen. Der Robert Harf ist einer nur von vielen. Er hatte Glück, daß er zur Zeit entsprang. Er braucht nicht sterben, langsam, jahrelang, Ihm ist nicht vor der nächsten Hetzjagd bang. Er schmachtet nicht in eines Lagers Sielen, Und niemand prügelt ihn mit Schaufelstielen.

Doch ich sah viel in seiner Todesstunde: Zerschnittnes Bett , ein Kind mit Schädelwunde, Sah einen Hund, den man aus Lust erschlug, Sah Heiligstes, das man aufs Mistbeet trug, Verjagte Greise... oh, ich sah genug.

Und, da das Schweigen Gift mir wird im Munde, Gebe ich weinend von der Schande Kunde.

Dieses Gedicht wurde von dem Autor ohne Namensnennung in vielen deutschsprachigen Zeitungen des Auslandes unmittelbar nach den Synagogenzerstörungen veröffentlicht. Aus erzieherischen Gründen hielt der Verfasser die Fiktion aufrecht, daß es sich um die Aussage eines nichtjüdischen Vertreters des anderen Deutsch­land " handele.

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