DIE ANGST
Sie hockt, ein Tier, auf unser aller Rücken Und formt mit ihrer Drohung Schein und Sein. Verträge, Heere, Bündnisse und Brücken Bestimmt die Angst, die nackte Angst allein.
Stellt eine Kammer die Vertrauensfrage, Gewährt ein Schuldner mehr, als du verlangst, Zählt ein Minister seines Amtes Tage:
Im Hintergrund diktiert das Tun die Angst.
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Wenn du als Abgott etlicher Millionen Bei Freudenfesten in der Menge prangst, Stehst du umjubelt unter Kranz und Kronen: Wenn du allein bist, hetzt dich doch die Angst.
Bist du aus deinem Heimatland vertrieben, Weil du nicht die beliebte Fahne schwangst, Und fandest Zuflucht nur mit deinen Lieben: Auf deinem Eiland lauert stumm die Angst.
Wo ist die Zeit, da du im frohen Kreise Um echte Freunde deine Arme schlangst? Wohl kannst du laut sein, aber bohrend leise, Wenn du ernüchterst, meldet sich die Angst.
Wenn trotz Entwertung, Absatzschwund und Krise Du eine kleine Stellung dir errangst:
Im Sturm erschüttert dich die erste Brise.
O Existenz- Angst, ärgste Form der Angst!
Angst um Asylrecht... Angst um die Ernährung. Ob Fürst, ob Bettler: du erhoffst und bangst.
Angst um die Mehrheit, Ängste um die Währung.... Aus allen mut'gen Worten schreit die Angst.
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