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Jedem das Seine : satirische Gedichte / Karl Schnog ; Zeichnungen von Herbert Sandberg ; Nachwort: Eugen Kogon
Entstehung
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34
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KONGRESS DER FRIEDENS- VERTRAGE

In irgendeinem Land mit Seen und Bergen, Wo sich's parlieren und dinieren läßt,

Da trafen sich(bewacht von ihren Schergen) Die Friedenspakte jüngst, aus Os und West.

Der aus Versailles saß grau am Tafelende, Er schien sehr dünn und wirkte arg senil. Ganz zahnlos war er, kraftlos seine Hände, Und überhaupt, man sah von ihm nicht viel.

Die Reden stiegen, und die Gläser klangen,

Und jeder sah, ob ihn die andern säh'n.

Zwei blieben wortkarg, ängstlich und befangen: Von Trianon der und von St. Germain.

Ein Humorist von einst wie Siegfried Arno Bemüht, daß man mit Lachen an ihn denkt,

Agiert im Vordergrunde Herr Locarno,

Und trotzdem ward ihm kaum ein Blick geschenkt.

Zwischen Hors d'oevre, Portwein und Langusten Bracht der aus London manchen Trinkspruch dar, Man hörte zu, obwohl sie alle wußten,

Daß er s0 gut wie schon gestorben war.

Ein Dutzend waren da, die keiner kannte.

Doch alle tranken ihre Gläser leer.

Und als man plötzlich auch den Stresa nannte, War der verschwunden, schon vor dem Dessert.

Sie sprachen lebhaft, leicht beschwipst und zweckvol!, Foto-Reporter füllten das Lokal,