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Jedem das Seine : satirische Gedichte / Karl Schnog ; Zeichnungen von Herbert Sandberg ; Nachwort: Eugen Kogon
Entstehung
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CHOR DER EMIGRANTEN

Die Geschäftigen: Wir tragen unsre Wünsche und Begierden

Wie ehedem laut in die Welt hinein;

Wir suchen Süchte, Spielerei'n und Zierden Und sind, trotz aller Sorgen, nie allein. Wir wünschen nur zu wissen, nur zu

wirken,

Uns ist der Mensch nur ein Projekt im

Keim

-

Blüht uns ,, Betrieb": in allen Weltbezirken Sind wir geborgen, glücklich und daheim.

Die Verzweifelten: Wir schleppen schwer an dem, was wir

Die Bereiten:

einst waren

Und spüren blutend, was wir nicht mehr

sind.

Um uns nur Kälte, Feinde und Gefahren. Die Sonne schmerzt. Zur Last wird uns

das Kind.

Wir sind zu wund, um immer neu zu klagen,

Wir sind der Tränen, sind des Hoffens satt Und wissen nur: uns wird das Schicksal

schlagen

Noch ärger, als es uns geschlagen hat.

Wir warten schaffend, ohne viel zu träumen Und was vergangen ist, ist abgetan. Es gibt gar manches vor uns wegzuräumen. Die Zukunft, die uns winkt, will Weg und Plan.

Wir werden das an neuen Schätzen heben, Was, nie gewertet, in uns selber ruht. Vielleicht ist dieses Neue erst das Leben. Denn: was verging, muß fort, und was

geschieht, ist gut!

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