WIR MÜSSEN SINGEN
Wenn das Kommando ertönt:„Ein Lied!"-— so reißt es den Mund weit uns auf.—
Die Kolonne dumpf im Gleichschritte zieht, ganz gleich, ob es regnet, ob Sonne glüht, aus den Kehlen tönt: ein Lied- ein Lied.. doch wir spein im Innern darauf.—
Wir singen von Liebe, Lenz und Mai,
von des Jägers hold Töchterlein,
doch unsere Herzen sind nicht dabei,
unsre Herzen sind wund, sind stumpf, entzwei von der Fron, von der Haft, von Tyrannei und wir möchten statt singen: schrein!-
Doch wer nicht singt, den trifft Prügel und Faust, der fällt der Bestrafung anheim.-
Wir singen von Liebe, während uns graust, wenn tief innen in uns das Elend haust,
wenn uns würget des Todes Keim.—
„Hört ihr, wie man in Dachau singt?- Gut muß es den Häftlingen gehn!- Wie das den Fuß im Takte schwingt, . wie das so frisch und fröhlich klingt“...-
Daß uns dabei das Herz zerspringt, habt ihr nicht gehört, nicht gesehn.-- 31


