SACHSENHAUSEN
Die Leute, die man aus Ostpolen und Rußland in Gruppen von 500 aufwärts dorthin schickte, waren überwiegend Männer, die nichts verbrochen hatten. Die Neuankömmlinge führte man ins Bad , sie bekamen gestreifte Anzüge. Dann kam eine vierzehntägige Quarantäne, während der sie von den alten Lagerinsassen isoliert blieben. Dort wurden sie dressiert, wie sie die Mützen vor den Würdenträgern abzunehmen hatten, wie sie in Fünferreihen unter Begleitung von Flüchen und Schlägen zu marschieren hätten. Wenn jemand bei den Schlägen einen Laut von sich gab, wurde er in eine Betonkammer gejagt, wo sich auf dem Fußboden eine Betonbank mit Lederriemen befand. Zwölf Stunden mußte das Opfer völlig nackt festgeschnallt auf dem Beton liegen und während der ganzen Zeit tropfte kaltes Wasser herunter.
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Nach der Quarantäne kamen die Neuankömmlinge in die Arbeiterbaracken. Vorher mußten sie sich vor einer Kommission stellen, die sie qualifizierte. Täglich rückte eine Gruppe von 1500 Menschen zur Arbeit aus. Davon wurden immer hundert bis hundertzwanzig umgebracht, die Verletzten nicht miteingerechnet die auf dem Rücken zurückgetragen werden mußten. Die Quälgeister waren Häftlinge, die zu Vorarbeitern ernannt worden waren. Wenn die schwere Arbeit infolge von Kräftemangel und Unterernährung nicht ausgeführt werden konnte, schlugen die dazu Bestellten mit Stöcken solange auf die Menschen los, bis sie atemlos wurden. Wagte jemand ein Wort zu sagen, holte man einen SS- Mann, der die Schläge noch verbesserte". Es gab keinen Ruhetag. Die einzige Möglichkeit zum Ausruhen waren die vielen Hinrichtungen, denen die Häftlinge beiwohnen mußten. Aber wie litten sie dabei seelisch! Das ganze spielte sich so ab, daß sie alle auf dem Plate versammelt wurden. Dann rief ein SS - Offizier Namen und Nummern auf. Diese Leute mußten sich auf die Seite stellen. Das Radio spielte, die Lagerglocke läutete. Dann wurden die Leute erschossen, während die übrigen gezwungen wurden, es mit anzusehen. Später hörten die öffentlichen Erschieẞungen auf. Man fuhr die Leute ins Krematorium, dessen Öfen Tag und Nacht brannten. Wenn sich jemand zu schwach zum Gehen fühlte, fürchtete er, sich im Krankenrevier zu melden. Leichtkranker konnte noch geheilt werden, aber die Schwerkranken brachte man sofort im Wägelchen lebendig ins Krematorium.
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