In der größten Kälte dauerten die Appelle am längsten. In den Baracken durfte man nicht ruhig siten, die Blockleiter jagten die Leute umher und gönnten ihnen keine Ruhe.
Eines Morgens führte man 55 polnische Häftlinge zur Gaskammer. Diese ahnten ihr Schicksal und begannen zu fliehen. Die SS - Männer eröffneten Maschinengewehrfeuer. Fünf gelang es, zu entkommen. Das Krematorium befand sich in der Nähe eines Wäldchens, dorthin schüttete man die Asche. Anfangs lag das Krematorium offen da und man konnte hineinsehen. Späterhin, als mehr Opfer vergast wurden, wurde es durch eine Rohrwand abgetrennt, sodaß niemand mehr die Vorgänge von außen sehen konnte.
Der Zeuge Marcin Bielecki aus Brzozow hat es mitangesehen, wie man die Opfer zur Gaskammer brachte und wie die Leichen im Ofen verbrannt wurden. Die Oefen waren groß. Zwei Hilfskräfte schoben die Leichen in den Ofen. Achtzehn Leichen konnten auf einmal verbrannt werden. Der Schornstein war so hoch wie der einer Ziegelei. Die Oefen wurden mit Öl oder Koks betrieben. Die Knochen, die nach der Verbrennung zurückblieben, waren weiß, und diese weiße Masse fuhr man ins Wäldchen. Später wurde an der Stelle, wo die Asche ausgeschüttet worden war, der Wald gerodet, geebnet und ein Magazin erbaut, damit die Spuren der Morde verdeckt wurden.
In Stutthof wurden die Leute, die im Transport ankamen, aussortiert. Nach einiger Zeit ging es entweder ins Krematorium oder in ein anderes Lager. Das Krematorium lag etwa 200 Meter vom Lager entfernt. Nicht weit davon war eine Flugzeugfabrik, in deren Nähe sich das Wäldchen mit der Aschengrube befand. Es sind Nachrichten darüber vorhanden, daß im September 1942 große Transporte von Jüdinnen ankamen. Sie endeten alle im Krematorium.
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