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Geopfertes Volk : der Untergang des polnischen Judentums / M. Chersztein ; deutsche Übertragung von Jolanta Münch
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STUTTHOF

Das Konzentrationslager in Stutthof lag 20 Kilometer von Danzig ent­fernt. Es enthielt 45 000 Häftlinge, unter denen sich Frauen, Greise und Kinder, Männer aller Nationalitäten und Bekenntnisse befanden. Beim Einliefern der Transporte brachte man die Häftlinge in die Badeanstalt, wo alle Wertsachen, Uhren, Anzüge usw. weggenommen wurden. Nach dem Bade wurden gestreifte Anzüge ausgehändigt, die aus Hemd und Hosen ohne Unterwäsche bestanden, und dazu Korkpantoffeln.

Im Jahre 1944 holte man täglich von Mai bis November Juden und Jüdinnen heraus fürs Krematorium, vor allem Frauen und Kinder. Sie wurden in die Gaskammer gebracht. Nach der Vergasung wurden die Leichen verbrannt. Vorher entfernte man die Goldplomben der Ver­gasten. Dasselbe trieb man mit Angehörigen anderer Völker. Täglich brachte man auf diese Art 150 Menschen um. Dreimal täglich, früh, mittags und abends suchte man die Opfer fürs Krematorium aus. Dies geschah gewöhnlich während des Appells, wenn alle aufgestellt waren. Man nahm meist diejenigen, die schlecht aussahen, die sich elend fühl­ten oder beim Stehen schwankten. Die Täter waren SS - Männer. In dem Maße, wie die Anzahl der Insassen im Lager durch Hinrichtungen ab­nahm, kamen Transporte mit frischen Opfern an, so daß in kurzer Zeit mehr als hunderttausend Menschen durch das Lager gingen.

Die Verpflegung bestand morgens aus 100 Gramm Brot, einem hal­ben Liter Kaffee, mittags aus einem Liter Suppe aus Rüben oder Kraut, abends wieder aus 100 Gramm Brot, bei schwerer Arbeit und Frost. Der Hunger war so stark, daß selbst die Opfer, die fürs Krematorium be­reitgestellt stonden, baten Gebt uns Brot", und auf dem Wege zur Gaskammer zum letzten Male aßen. Der Hunger überwand selbst die Todesangst.

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