Das Ghetto entstand im Jahre 1941. Die Einwohnerzahl betrug einschließlich der aus der Provinz stammenden Juden etwa sechshunderttausend Personen. Der jüdische Wohnbezirk umfaßte den Nordteil der Stadt. Die Straßen, die das Ghetto begrenzten, waren: Chlodna, Okopowa, Powazkowska, Bonifraterska, Nowiniarska, Dluga, Senatorska, Elektoralna. Die amtlichen Tore am Leszno , am Krasinski- Platz und auf der Okopowa- Straße waren von Gestapo , SS , Schupo und seit 1943 von Litauern besetzt.
Das Ghetto war von einer Ziegelmauer umgeben, die die Höhe eines Stockwerkes erreichte. Oben war die Mauer dicht mit Glasscherben gespickt. Es gab zwei Ausgänge, einen an der Nalewki- Straße, der andere am Ende der Chlodna.
Das Ghetto wurde binnen vierundzwanzig Stunden nach der Bekanntmachung geschaffen. Nachdem alle eingezogen waren, wurde das Ghetto von Schutzpolizei umstellt und bis auf einige Ausgänge zugemauert. Anfangs war es den Polen noch zwei Wochen gestattet, das Gebiet des Ghettos zu betreten, dann kam eine verschärfte Verordnung heraus, es wurden Passierscheine verlangt, und einen Monat später wurde es ganz isoliert. Die jüdische Bevölkerung mußte eine weiße Armbinde mit dem Zionstern am rechten Arm tragen.
Zwischen ein und zwei Uhr mittags fuhr täglich ein SS- Kraftwagen die Dzielna- Straße entlang. Zu dieser Zeit durfte die Straße nicht betreten werden. Der Wagen fuhr zum Pawiak( bekanntes Gefängnis), das sich im Gebiete des Ghettos befand. Wenn jemand zu dieser Zeit auf der Straße erwischt wurde, wurde er so lange mit Stöcken geschlagen, bis er tot war. Wenn er zum Pawiak mitgenommen wurde, kam er nach einer Stunde so zerschunden und verprügelt heraus, daß man ihn kaum wiedererkennen konnte.
So wie überall, fanden auch in Warschau Säuberungsaktionen statt. In einer Nacht wurden etwa fünfzig Menschen herausgeholt und auf der Straße ohne jeden Grund erschossen, darunter auch der bekannte Warschauer Bäcker Blajman.
Die Lebensmittelrationen waren kleiner, als die der anderen Volksgruppen. Der Hunger forderte viele Opfer. Die Zusammengebrochenen lagen weit ausgestreckt auf der Straße und versperrten den Verkehr, bis die Leute der Bestattungsgesellschaft mit ihren Wagen kamen und sie aufluden. Nur der Puls wurde geprüft.
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