von ihren Familien besucht wurden. Ein großer Teil der Bevölkerung kam, denn jeder hoffte, seinen Verwandten wiederzufinden.
meinde schickte ihnen Verpflegung, aber nach einigen Tagen wurden sie in Autos verladen und wieder weggebracht. Die Deutschen hatten nur zeigen wollen, was von zwanzigtausend kräftigen Menschen übrig bleibt, wenn man sie zwei Monate lang quält.
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In dem Maße, wie die Organisation des Ghettos fortschritt, wurden sogenannte„ Ressorts" gebildet zur Erfüllung der deutschen Forderungen. Die Ressorts" waren Werkstätten in großem Maßstabe, die in Fabriken oder in größeren Gebäuden des Ghettos untergebracht waren. Besonders Schneidereien waren stark vertreten. Sie stellten Mengen von Uniformen und Militärwäsche her. Bald forderte man die Auslieferung aller, die nicht in den Ressorts" beschäftigt waren. Es hatten sich Greise und die größeren Kinder, auch Halbwüchsige, in die Ressorts" geflüchtet. Nun führten die Deutschen eine Kontrolle durch. Ein SS- Kommando ging unter Mithilfe der jüdischen Polizei von Haus zu Haus. Jeder mußte seine Wohnung verlassen und sich im Hofe aufstellen. Die Wohnungstür mußte offen bleiben. Alle, die die Deutschen für arbeitsunfähig hielten, wurden in Lastwagen verladen. Bei dieser Aktion wurden etwa vierzigtausend Menschen weggeholt.
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Im dritten Kriegsjahr fand eine besondere Such- Aktion" nach Kindern statt. Für die Kinder der höheren Beamten und Direktoren der Ressorts" und des Beirates der jüdischen Selbstverwaltung im Ghetto hatte man inzwischen eine besondere Baracke ,,, Marysin" genannt, hergerichtet, wo man sie während der Aktion versteckte.
Marysin" befand sich am Ende des Ghettos. Der Präsident Chaim Rumkowski hatte diese Kolonie geschaffen, da er sehr kinderlieb war. Es wurde die Auslieferung von zwanzigtausend Kindern gefordert. Die Kinder mußten sich auf den Höfen versammeln. Trotzdem man dem Präsidenten versprochen hatte, daß die Kinder nicht von der Kolonie weggeholt werden würden, erschien um zwölf Uhr nachts ein Rollkommando im" Marysin" und befahl den Erziehern und dem Pflegepersonal, die Kinder in fünf Minuten anzuziehen und auf den Platz zu schicken. Die jüdische Polizei riegelte den Platz ab. Man kündigte ihr an, daß sie zur Verantwortung gezogen würde, falls ein Kind fehlen sollte. Daraufhin wurden die Kinder auf Wagen verladen. Auf jedem Wagen saßen schon Polizisten, die achtgaben, daß keines flüchtete. Um ein Uhr nachts wurden die Kinder nach Radegast gebracht, von dort ging es nach Oswiecim ( Auschwitz ) ins Krematorium.
Die Zeugin, Rosa Kaplan, geb. Freundlich, 15. 12. 1914 in Tomaszow , wohnhaft Lodz , Poludniowa 24, Häftling Nr. 38 909, traf nach einigen Jahren eine Bekannte aus Tomaszow, die bei dem Verbrennen ihrer Volksgenossen hatte helfen müssen. In Auschwitz führte man die
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