Das Leben unter unmenschlichen Bedingungen in diesem Lager war fürchterlich. Anfangs wurden den Häftlingen besondere Arbeiten auch außerhalb des Lagers zugeteilt, die meisten bekamen Arbeit im Lager, hauptsächlich bei der Beseitigung der Grabmäler des jüdischen Friedhofes, der zum Lagergebiet gehörte. Der Lagerkommandant Ghett traktierte auf seinen Gängen durchs Lager die Leute, die ihm begegneten, mit Kolbenschlägen und schoẞ ohne Rücksicht auf Alter und Geschlecht die nieder, die seiner Meinung nach unfähig waren, die befohlene Arbeit zu leisten. Die Arbeit war schwer. Wagen mit nassem Sand mußten im Laufschritt über den steinigen Boden geschoben werden. Nach jedem Arbeitstag wurden es weniger Häftlinge, die vom Kommandanten oder seinen Gehilfen Erschossenen fehlten. Die Leute, die von der Arbeit außerhalb des Lagers zurückkehrten, mußten ihre verprügelten Gefährten, die nicht fähig waren zu gehen, mit sich tragen.
Man arbeitete zehn bis fünfzehn Stunden täglich, je nach der Laune des Kommandanten. Um die Verpflegung bekümmerte man sich am allerwenigsten. Die Brotration pro Kopf betrug wöchentlich 1,20 bis 1,40 Kilogramm. Das Mittagessen war ungenügend. Abendessen gab es nicht. Eine Zeitlang bekamen die Häftlinge noch wässerig dünnen Weiẞkäse. Dieser Zustand hielt ungefähr anderthalb Jahre lang an.
Um die Häftlinge in Angst zu halten, wurden sie zu regelmäßigen Appellen geholt. Wer irgendwie aufgefallen war, bekam vor der ganzen Versammlung 50 Hiebe mit dem Stock oder mit der Peitsche. Diese Leute mußten sich nackt ausziehen ohne Rücksicht auf das Geschlecht. Die Frauen, die das mitgemacht hatten, mußten nachher einige Tage liegen, weil sie unfähig waren zu gehen. Aerztliche Hilfe war verboten.
Eines Abends drangen SS - Männer und Ukrainer in alle Baracken ein und verlangten unter Drohungen mit dem Tode die Abgabe aller Wertsachen. Nur Einzelne wagten es und gaben nichts ab, aber den meisten wurde alles Eigentum weggenommen, nur die Kleidung und Decken durften sie behalten.
Diejenigen, die in die Stadt zur Arbeit gingen, konnten sich zusätzlich Nahrungsmittel beschaffen, aber die andern im Lager hungerten, wenn ihnen die außerhalb Arbeitenden nicht etwas abgegeben hatten, so gut sie konnten.
Jeder rechnete mit dem Tode. Jeder Häftling war auf das Ende vorbereitet, ganz gleich, ob er im Lager oder außerhalb arbeitete, Später wurde das Ausgehen verboten und die Außenarbeitsstellen wurden aufgelöst, so daß alle im Lager bleiben mußten.
Bald darauf wurden verschiedene Werkstätten, wie Schreiner -, Schuster-, Schlossereibetriebe, Papierbearbeitung, Buchbinderei und Druckerei, eingerichtet. Die Maschinen wurden alle im Ghetto requiriert.
Die Arbeitsregeln waren sehr scharf. Der Kommandant erschoẞ in den Baracken, in denen zumindest ein halbes Hundert Menschen ar
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