VORWORT
Ich traf Herrn Mieczyslaw Chersztein zum ersten Mal am Anfang des Monats April 1945 in dem Lager der Zwangsverschleppten in Mosbach , Deutschland . Er stellte sich mir persönlich vor und sprach mit mir über seine Erlebnisse während der vergangenen sechs Jahre. Seine Erzählungen machten einen tiefen Eindruck auf mich und bewiesen, daß er ein scharfer Beobachter war. Einige Monate später kam er nach Stuttgart und legte mir ein Manuskript vor und es freut mich, zu sehen, daß seine Darstellung nun durch den Druck der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden ist.
Das Manuskript von Herrn Chersztein ist ein weiterer Beweis im Prozeß gegen den Nationalsozialismus . Als ich es durchlas, wurde mir zum ersten Mal die volle Bedeutung von dem klar, was ich in den Konzentrationslagern gesehen hatte, die während unseres Durchmarsches durch Süddeutschland von uns in Besitz genommen wurden.
Ich erinnerte mich an einen Vorfall in einem der Konzentrationslager für Juden der verschiedenen Ghettos in der Nähe von Landsberg am Lech , als bei meiner Ankunft zuerst die Frage gestellt wurde:" Wo sind unsere Frauen, Kinder, Väter, Mütter und Geschwister? Was hat esfür einen Sinn, weiterzuleben, wenn wir mit unseren eigenen Augen sehen mußten, wie unsere nächsten und liebsten Angehörigen bei lebendigem Leibe verbrannt wurden? Wer wird uns rächen?"
Als ich diese Männer und Frauen persönlich ausfragte, erzählten sie mir Einzelheiten, die ich dann in diesem Manuskript bestätigt fand. Der wichtigste Teil dieses Buches ist seine Aussage über die Organisation und Liquidation der Ghettos in Polen . Es war ein teuflisch genau durchdachter und ausgeführter Plan, der die Verantwortlichkeit
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