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Mein Brunnen
Ich weiß von einem Brunnen den schöpf' ich nimmer leer, der spendet Trost und Labung, erquickt mich mehr und mehr.
Wenn mich mit scharfen Fängen der Trübsinn packen will, dann lenk' ich meine Schritte
zu meinem Brunnen hin;
dann laben mich die Fluten,
dann weicht der Druck vom Hirn,
dann weichen auch die Gluten,
die martern meine Stirn.
Dann trink' ich von der Labung, sitz' auf des Brunnens Rand und tauche in die Kühle umschichtig Hand um Hand.
Dann kreisen die Gedanken in klarem Ringelreihn, dann lebe ich mein Leben, die Gegenwart ist Schein.
Es quillt aus tiefem Brunnen
Erinnerung hervor
und reißt mich aus dem Dunkel
zu hellem Licht empor.
Es rauschet aus dem Brunnen
ein Lied von Lenzeszeit,
das macht die Augen helle
und macht das Herz so weit.
So schöpf' ich aus dem Brunnen
Erinnerungen viel.
Und bin ich einmal traurig, erneue ich das Spiel.
Der Brunnen leert sich nimmer, schöpf' ich auch noch so oft: So, wie der Mensch im Leben Glück auch im Leid erhofft!
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