lichen Streit. Vielmehr hatte Lernau mir einen Vorschlag zu machen. Ich sollte zwei Bilder zu der Münchener Ausstellung einreichen, die für den Frühling vorbereitet wurde. Sie hatte irgendeinen patriotischen Namen, ich habe ihn vergessen. Meine Überraschung war groß, vor allem als Lernau erklärte, daß er zu seinem Vorschlag beauftragt sei. Eine ordnungs- gemäße schriftliche Aufforderung werde folgen.

Steffie langweilte sich während unseres Gespräches. Sie stand auf und ging durch das Atelier. Vor meinen Bildern schien sie Scheu zu haben, wenigstens vermied sie es, sie an- zusehen. Sie stellte sich ans Fenster und blickte auf den Fluß hinunter. Als die Mühle zu arbeiten begann und der Boden meines Ateliers dröhnte, wandte sie sich mit einem erstaunten Ruf zu uns um.

Lernau betrachtete mich aufmerksam, wenn ich einmal zu Steffie hinübersah, die mit ihrem schweigenden guten Gesicht am Fenster stand. Sie gefiel mir, und er in seiner Eitelkeit war stolz darauf. Er prahlte mit dieser jungen Frau wie mit seinen Muskeln oder wie mit seinem häßlichen und doch leichtfertigen Pferdekopf. i

Nachdem die beiden fort waren, machte ich mich, noch immer verwundert über Lernaus Aufforderung, wieder an meine Skizzenbücher.

Ich suchte eine Landschaft, die ich einmal flüchtig notiert hatte: die obere Rathausbrücke mit dem Standbild der Hei- ligen Kunigunde . Schließlich wurde es mir zu dumm, so lange danach zu kramen. Ich nahm meinen Zeichenblock und ging zur Rathausinsel. Von meinem Atelier in der Eckertschen Kunstmühle waren es nur ein paar hundert Schritte.

Auf der Brücke fing ich gleich an zu arbeiten. Aber es wurde nichts Rechtes. Um diese Stunde herrschte ein für unsere Stadt sehr reger Verkehr und mich störten die Leute, die neben mir stehenblieben und mir über die Schulter sahen.

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