Druckschrift 
Drei Kinder kommen durch die Welt / Walter Pollatschek
Entstehung
Seite
193
Einzelbild herunterladen
  

Flugzeuge über Friedrichshafen . Sie warfen Bom­ben. Die Bomben zerstörten viele Häuser in der Stadt. Es war eine furchtbare Bombardierung. So­gar in Stein zitterten die Häuser davon. Konstanze schrie immer: Unser Haus ist aber fest!" Weil der ganze Himmel von den Flugzeugen dröhnte, und weil die Explosionen so furchtbar waren, und weil das ,, Meierisli" zitterte und bebte, meinte sie, die Bomben fielen auf das Dach, und wunderte sich, daß das Haus nicht zerstört wurde. Weil sie in keinem Kriegsland war, wußte sie nicht so ge­nau, wie es mit dem Bombardieren ist.

Mama und Papa und Doris und Silvia standen am Fenster und hatten Tränen in den Augen, und Mama und Doris und Silvia zitterten. Sie zitterten nicht vor Angst. Sie sahen, wie die Flammen von Friedrichshafen emporschlugen, und wie der Rauch zum Himmel stieg. Die armen Menschen, die in dem Bombardement getötet wurden, taten ihnen so leid. Es war so entsetzlich anzusehen, wie Friedrichshafen brannte, weil die Nazi- Regie­rung den Krieg angefangen hatte. Sie wünschten so sehr, daß der Krieg zu Ende wäre.

Der Krieg ist so traurig. Viele Leute wollen gar nichts mehr davon hören. Und viele Eltern sagen, ihre Kinder sollten nichts vom Krieg lesen und überhaupt nichts Trauriges. Aber das ist nicht richtig. Wenn man richtig fröhlich sein will, dann muß man auch manchmal traurig sein. Das ist bei

13 3 Kinder

193