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Drei Kinder kommen durch die Welt / Walter Pollatschek
Entstehung
Seite
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man schnell ins andere Stockwerk, ohne daß man einen Schritt macht.

Doris und Silvia sahen sich das Warenhaus gern an. Und sie sahen gern in die Schaufenster der prächtigen Geschäfte in den großen Haupt- straßen Berlins . Viel lieber noch hätten sie sich in diesen Läden oder bei Wertheim oder im K.d.W. (das war ein anderes Warenhaus) verlockende Dinge gekauft. Doch das ging nicht.Wir haben kein Geld, sagten die Eltern. Früher hatte man sich mehr kaufen können. Aber weil die Eltern so spa- ren mußten, konnte man auch nur selten mit der Untergrundbahn fahren. Auch das Fahren kostet ja Geld. Und der Vater verdiente nichts. Es gab

auch in Berlin keine Arbeit für ihn. Daran war.

wieder die Politik schuld. Sie verbot ihm auch in Berlin und sogar in ganz Deutschland Geld zu ver- dienen. Das war schlimm. Und es war auch nicht schön, daß man keine eigene Wohnung mehr hatte. Nur gut, daß man bei den Großeltern von Doris und Silvia wohnen konnte. Aber da war nicht so viel Platz, wie man in der eigenen Wohnung in Wuppertal gehabt hatte. Silvia war ja noch sehr klein, sie merkte den Unterschied nicht so. Aber Doris merkte ihn wohl.

Sollte man die beiden Kinder deshalb bedauern? Nein. Es gab für sie andere Erlebnisse, die schön waren, und manches, was sie in Wuppertal nicht gekannt hatten. Ihre Vettern und ihre Kusine

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