suchungsgefängnis mitgebracht. Der blonde, stets lustige Jungkommunist Walter Körning sitzt am Fenster, sieht durch ein kleines Loch der undurchsichtigen Milchscheiben auf die Dächer der Häuser von Fuhlsbüttel , träumt und singt:„ Uns geht die Sonne nicht unter!"
Kreibel schaut heimlich zu Fritz Jahnke hin, der immer noch auf seinem Strohsack liegt und schweigend die Genossen beobachtet. Der schwere Brustschuß, die lange Einzelhaft, die nächtlichen Miẞhandlungen haben den Fünfundzwanzigjährigen altern gemacht. An den Schläfen schimmert das dunkelbraune Haar silbern. Die Augen scheinen unentwegt zu suchen; sie sind stets weitaufgerissen, angstvoll und unheimlich glasig. Er spricht wenig, oft tagelang nicht. Wenn er von sich spricht, sagt er lächelnd:„ Ich Lämmlein unter den reißenden Wölfen!" Es ist dann, als ob seine Worte in Tränen schwömmen.
Welsen erzählt aber, daß es auch Tage gibt, an denen er lustig und ausgelassen ist wie keiner. Er ist ein guter Geschichtenerzähler; spielt leidenschaftlich Schach und versteht es, die Genossen aufzumuntern.
Kreibel betrachtet das Gesicht, das fahl ist und grünlich schimmert. Es ist schrecklich abgemagert; die Haut zieht sich straff über die Gesichtsknochen. Die Lippen sind blutleer, wie vertrocknet. Unter den Augen liegen breite, dunkle Schatten. Kreibel schreckt unwillkürlich zusammen; der Genosse hat bemerkt, daß er ihn beobachtet. Er winkt. Kreibel zaudert. Jahnke lächelt und winkt abermals. Langsam tritt Kreibel an sein Strohlager.
,, Genosse Kreibel, ich bin zwar kein Parteikommunist, aber kein schlechter Genosse. Ihr nehmt mich leider niemals dazu, wenn du den Genossen erzählst."
,, Genosse Jahnke, fortan wirst du dabei sein!"
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