Dann nimmt Welsen den noch ganz verstörten Kreibel zur Seite und flüstert ihm zu:
,, Ausgezeichnet, daß du kommst. Wir haben auf dem Saal eine kleine Arbeitsgemeinschaft. Über Politische Ökonomie und Dialektik haben wir bereits Kurse gehabt. Du wirst einen über die Geschichte der KPdSU und die russische Revolution machen müssen. Ich bin in diesen Fragen zu schwach, und du hast doch darüber auf der Bezirksparteischule referiert."
,, Sieh den Nathan!" ruft der hagere Siebel den Genossen zu. ,, Uns sagt er, wir sollen Kreibel in Ruhe lassen, er selber krallt ihn sich gleich. Das ist ein Fuchs!"
,, Wir sprechen noch darüber!" flüstert Welsen. Dann ruft er laut: Und jetzt laß dich herrichten, damit du, wie der Wachtmeister sagt, wieder wie ein Mensch aussiehst!"
Morgens. Welsen sieht auf die Uhr. Noch einige Minuten bis sieben. Er nimmt Kreibel am Arm und geht mit ihm vor der Zellentür auf und ab.
Die Genossen vom Stubendienst fegen die Zelle aus, räumen die Bänke zur Seite, auf denen die Waschschüsseln standen. Die Betten werden hergerichtet. Die Wolldecken müssen glatt auf den Strohsäcken liegen; kein Fältchen darf zu sehen sein. Das Eßgeschirr muß sauber und in gerader Reihe auf den Tischen stehen. Spiele, Kartons, Privatkleider dürfen nicht sichtbar sein, sondern müssen unter die Betten gestellt werden.
,, Wir haben auf unserm Saal einen Stamm guter Genossen. Vor einigen aber mußt du dich in acht nehmen: vor dem Nazi Rudolf Köhler das ist der Lange da, der gerade sein Bett baut dem Wiechers, das ist ein Zuhälter, wir trauen ihm nicht, und Borgers, der hat Schwindeleien bei Wohlfahrtslotterien ge
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