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Die Prüfung : Roman aus einem Konzentrationslager / Willi Bredel
Entstehung
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Kreibel stürzt halb von Sinnen auf das Bettzeug und wickelt es zusammen, kramt aus dem Spind Heringsbrett, Schüssel und Löffel auf den Tisch.

,, Hast du in den Gemeinschaftssälen Platz?"

Kreibel horcht auf. Er wird also nicht entlassen, er kommt auf einen Saal. Na, wenn schon; erst mal raus aus diesem Loch. Otten denkt nach: ,, Bei mir ist nichts frei. Beide Säle sind voll belegt!"

Kreibel hat sein Zeug zusammengepackt. Das aus Klosettpapier verfertigte kleine Schachspiel knistert in der Hosentasche. Er wirft einen flüchtigen Blick auf die Wand, hinter der Ernst Rüsch liegt. Vorbei sind die Klopfunterhaltungen, die erst nach so langen Bemühungen zustande kamen. Vorbei ist das Schach­spielen, das ihre letzten Tage ausgefüllt hat... Auf einen Saal. Unter Genossen. Aber ich werde vorsichtig sein, gelobt sich Kreibel; mir meine Schnauze nicht verbrennen und kein Wort über Politik äußern. Eh' ich mich recht umgesehn habe, sitze ich wieder in Einzel- oder gar Dunkelhaft.

Der Saal ist die letzte Etappe vor der Entlassung, und er hat kein Verlangen, noch einmal von vorn anzufangen.

,, Der Lühring muß Betten frei haben!" meint Harden. Sind Sie fertig?"

,, Jawohl, Herr Wachtmeister!"

,, Dann kommen Sie mit!"

Sie gehen die Treppe hinunter nach der unteren Station. Unter­wegs erfährt Kreibel vom Wachtmeister, daß er auf Anordnung der Staatspolizei in Gemeinschaftshaft komme und für Sonntag Besuchserlaubnis erhalten habe.

,, Bleiben Sie hier stehen!" Harden geht in die Wachtstube. Kreibel sieht den leeren Korridor entlang. In einer der Zellen lag Torsten. Und dort die dunkle Treppe führt in den Keller.

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