Dann blickt Teutsch wieder auf die beiden anderen SA- Gefangenen:
,, Ihr solltet euch die Augen aus dem Kopf schämen."
Torsten steht dabei, hat Wort für Wort gehört und möchte laut jauchzen. Wenn das Leben hier drinnen auch still steht, draußen geht es weiter. Wenn sie schon ihre eigenen Anhänger ins Konzentrationslager stecken müssen, ist die Entwicklung rascher gegangen, als er zu träumen gewagt hatte...
Teutsch tritt an Torsten heran und fragt:
,, Na, für Sie fängt jetzt das Knastschieben an? Mit was rechnen Sie?"
,, Das kann ich nicht sagen, denn ich weiß noch gar nicht, weswegen ich angeklagt werde!"
,, Wird wohl' ne hübsche Stange bei rauskommen!"
Einige Stunden später fährt Torsten im Polizeiwagen, zusammen mit zwei Zuhältern, die ebenfalls ins Untersuchungsgefängnis gebracht werden, durch das Lagertor. Noch einmal blickt er aus den schmalen Fenstern des Wagens auf die stillen, finsteren, schmutzigroten Gefängnisbauten, noch einmal denkt er an die furchtbaren Nächte hinter diesen Mauern, an Koltwitz und an Kreibel und alle die vielen Genossen, die hinter den Gittern leiden.
Der Heildiener Brettschneider kommt zu Wachtmeister Otten in die Wachtstube.
,, Na, Otten, was gibt's Neues auf der Station?"
,, Nichts! Nur der Klasen in Zelle 38 hat sich krank gemeldet. Er sagt, er habe die Syphilis. Aber das Schwein will nur ins Lazarett!"
,, Und der Kreibel, wie geht's dem?"
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