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Dem Gefangenen wird der Kopf kahlgeschoren; nichts soll ihm bleiben als ein kleiner Büschel mitten auf dem Kopf.
Meisel steht unbeweglich neben dem Sturmführer und sieht zu, wie die Locken fallen; er verzieht keine Miene, blickt aufmerk-
sam und ernst zu, als habe alles so seine Richtigkeit. Während des Scherens fragt Dusenschön:
„Warum bist du eigentlich verhaftet?“
„Wir haben uns vor der Terrasse Witze erzählt!” „Wer wir?"
„Meine Freunde und ich „Und wo sind die Freunde?” „Das weiß ich nicht!”
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„So, so, Witze habt ihr euch erzählt... Was für Witze? Ich
möchte auch mal gute Witze hören... Los, zier dich nicht!” „Das waren Witze... Witze gegen... die Regierung.”
„Ja, ja, das kann ich mir denken. Aber was für welche, ich will sie hören!... Also wird’s bald, oder willst du erst einen Arsch- voll haben?“
„Einer hat die Frage gestellt, warum wir in diesem Winter keine Kohlen brauchen?...”
„Na, und? Weiter... weiter!”
„Das heißt: Weil wir eine... eine warme Regierung haben!” „Fabelhafter Witz!” lobt ironisch Dusenschön und zupft und reißt mit dem Apparat an den Ohren und an der Schläfe das dichte Haar aus.„Mehr! Ihr habt euch doch mehr Witze er- zählt!”
„Warum... der Sachsenwald ab... abgeholzt werden muß. Weil...” Der Gefangene zögert und blickt von der Seite ängst- lich auf den Sturmführer, der immer noch seinen Schädel be-


