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Die Prüfung : Roman aus einem Konzentrationslager / Willi Bredel
Entstehung
Seite
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Ochsenziemer; andere haben Tischbeine, Besenstiele, Holzlatten. Von der A- Station zur B- Station führt eine breite Treppe. Nach dieser Treppe werden die Verhafteten geführt; fünfzehn Männer und eine Frau. Die Hände müssen sie an den Hinterkopf halten. An beiden Seiten der Treppe haben sich die SS - Leute mit ihren Schlagwerkzeugen aufgestellt. Oben an der Treppe steht Meisel mit dem Ochsenziemer; unten steht Dusenschön mit der Peitsche. Einige Meter vor der Treppe stehen vier Posten mit Stahlhelm und halten die Gewehre in Anschlag.

,, Die Frau raus!" kommandiert Dusenschön.

Die Frau

klein, etwa dreißigjährig tritt vor.

,, Dort an die Wand stellen!" befiehlt ihr Dusenschön. Dann schreit er die in zwei Gliedern angetretenen Verhafteten an: ,, In Kniebeuge!... Los, runter in Kniebeuge!"

Die Fünfzehn gehen, die Hände im Genick, in Kniebeuge. ,, Und nun die Treppen hinaufhüpfen. Hübsch langsam, einer hinter dem andern! Marsch!"

Die ersten hüpfen nach der Treppe, hüpfen die erste Stufe hin­auf, und schon sausen die Tischbeine und Besenstiele, die Peit­schen und Holzlatten auf sie nieder. Die Mißhandelten taumeln, einige fallen um, aber sie müssen weiterhüpfen, die Nachkom­menden drängen sie vorwärts...

Unten steht Dusenschön und spornt zur Eile an; läßt die Peitsche bald auf diesen, bald auf jenen niedersausen

Die ersten haben die oberste Stufe der Treppe erreicht, doch Meisel zwingt sie mit seinem Ochsenziemer zur Umkehr. Sie müssen die Treppenstufen wieder herunterhüpfen. Das ist noch furchtbarer als das Heraufhüpfen. Sie torkeln unter den Schlägen die Stufen hinunter. Einer fällt vornüber die Treppe hinab und bleibt unten mit klaffender Kopfwunde liegen...

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