,, Achtung!" schreit Meisel.
Die Wachtmeister der einzelnen Stationen nehmen vor ihren
Stuben Aufstellung.
Meisel blickt unentwegt auf seine nach der Normaluhr an der Börse auf die Sekunde genau gestellte Uhr.
Dann gibt er ein langes, gellendes Pfeifsignal.
Die Wachtmeister geben sich einen Ruck, drücken die Hände an die Hosennaht und blicken starr geradeaus.
Die Gefangenen auf den Sälen springen auf und stehen in strammer Haltung.
Die Einzelhäftlinge haben sich unterm Zellenfenster aufgestellt und bleiben hier stramm stehen, denn jeder fürchtet, beobachtet zu werden.
Die Dunkelhäftlinge haben sich an die Stelle begeben, wo das verdeckte Fenster ist.
Sekunden nach dem Pfeifen hören die Gefangenen außerhalb des Lagers Sirenen ertönen, Dampfpfeifen aufkreischen, Kirchenglocken läuten. Heulen und Lärmen erfüllt die Luft.
Regungslos stehen die Gefangenen auf ihrem Fleck und horchen. Die Einzel- und Dunkelhäftlinge grübeln, was das wohl zu bedeuten hat.
Meisel, der wie hypnotisiert auf seine Uhr starrt, gibt ein zweites Pfeifsignal.
Die Spannung in den Gliedern der Wachtmeister löst sich. Die Gefangenen begeben sich wieder an ihre Plätze. Die Einzelhäftlinge wandern in ihrer Zelle umher. Die Dunkelhäftlinge kauern sich in irgendeine Ecke ihrer Zelle und dösen vor sich hin. Wachtmeister Harms blickt nach dem zweiten Pfeifsignal schnell durch die Spione der Einzelzellen, um zu sehen, wie sich die Gefangenen nach der Kundgebung verhalten. Er sieht, daß Kreibel
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