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Die Prüfung : Roman aus einem Konzentrationslager / Willi Bredel
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Wie du redest?!" Harms staunt und blickt König forschend ins Gesicht. Der hat es nicht verdient? Was nicht verdient? Der macht mit den Gefangenen Schiebungen. Hast du es denn noch nicht begriffen?"

,, Na ja, das liegt ja ziemlich klar, aber... Was gedenkst du zu

tun?"

,, Du bist wirklich merkwürdig. Was soll ich schon zu tun ge­denken? Meldung machen, was sonst? Für den ist der Bart ab. Der hat seine Rolle bei uns ausgespielt... Oder bist du anderer Meinung?"

,, Nee... Natürlich muß man es melden!"

Auf dem Wege zur Kommandantur überlegt Harms: wenn ich es gleich dem Kommandanten melde, ist es besser. Dusenschön fälscht es schließlich noch in seinen Erfolg um. Übergehe ich ihn aber, nimmt er es mir übel. Und was wird dabei rauskommen? Hoffentlich etwas mehr als eine Belobigung, mindestens doch ein Stern...

Kommandant und Sturmführer sind nicht anwesend. Harms zögert. Soll er seine Entdeckung Harden und Riedel verraten? Klug wäre es nicht; aber er möchte sich zu gerne einem andern mitteilen. Dann aber siegt in ihm doch die Klugheit; er verläßt mit seinem Geheimnis die Kommandantur.

Wachtmeister Meisel öffnet den Saal 1. Auf Anruf des Stuben­ältesten erheben sich die Gefangenen. Meisel bleibt an der Tür stehen und verkündet:

,, In einigen Minuten werde ich ein Pfeifsignal geben, dann habt ihr euch zu erheben und so lange strammzustehen, bis ich ein zweites Pfeifsignal gebe. Ganz Deutschland bekundet heute, am 9. November, am Tage des marxistischen Revolutionsverbrechens,

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