kapitalistische Trott hinter einer neuen Fassade; das ist ihr Drittes Reich ."
Viele Gefangene sehen überrascht auf. Das ist eine deutliche Sprache. Der Rittmeister scheint gar nicht so übel zu sein, mit dem läßt sich was anfangen. Welsen wartet auf den Pferdefuẞ der Rede. Er braucht nicht lange zu warten. Der Freiherr fährt fort:
,, Aber dem einfachen Manne in der Hitlerpartei und in der SA werden bald die Augen aufgehen, und dann wird der Nationalsozialismus auf seine alten, ideellen Ziele zurückgeführt, dann werden unter unserer Führung Breschen für den deutschen Sozialismus geschlagen, verlassen Sie sich darauf. Dann kommt die Volksgemeinschaft, die Hitler mit Konzentrationslagern und Massenhinrichtungen verhindert; die wir aber brauchen, wenn unser Volk nicht untergehen soll; die wir brauchen, wenn wir einer Welt von Feinden Trotz bieten wollen!"
Der Rittmeister sieht sich erstaunt um: er blickt in lauter grinsende Gesichter. Es ist ein unangenehmes Grinsen, selbstbewußt und zugleich mitleidig.
,, Nur nicht so drängeln!" ruft lachend Kesselklein, vor euch wollen wir erst mal ein büschen ran!"
Da wird der Rittmeister wütend.
,, Das glaubt ihr? Ach, ihr Armen, ihr wißt gar nicht, wie weit ihr noch davon ab seid. Und wenn der deutsche Sozialismus siegt, habt ihr verspielt, dann seid ihr überflüssig, direkt überflüssig. Ihr habt doch nur Chancen, solange der Kapitalismus diktiert. Ihr lauft blind herum, kennt nicht die Kräfte, die gegen euch sind, und seid vernarrt in euch selbst."
,, Oho!" lacht Welsen. ,, Nicht so hitzig!"
,, Warum regt dich denn das so auf!" meint lächelnd der alte Fuchs Dietzsch. ,, Liegt dazu ein Grund vor?"
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