können. Das wird mein Leben lang in der Brust brennen. Dafür werde ich als Offizier noch Genugtuung fordern!"
Dietzsch hätte darauf viel zu erwidern; doch er schweigt.
Der Rittmeister fährt fort.
,, Ich war Nationalsozialist, da gingen diese unreifen Burschen noch zur Schule. Ich habe mir vor Verdun meine Auszeichnungen erworben, da sind die meisten von denen, die uns heute als Helden entgegentreten, noch gar nicht auf der Welt gewesen, bestenfalls waren sie Wickelkinder. Und das spreizt sich jetzt und bläht sich auf... Wenn ich wieder draußen bin, werde ich an den General v. Mackensen schreiben, der kennt mich persönlich, der soll erfahren, wie es mir hier ergangen ist... Das laß ich nicht auf mir sitzen!"
Am dritten Tage hat Dietzsch sein Ziel erreicht. Von den Fronterlebnissen sind sie auf die Politik gekommen. Dietzsch, Welsen, Schneemann, alle hören dem oppositionellen Nationalsozialisten aufmerksam zu.
Der steife, stolze Rittmeister findet nichts Anstößiges mehr daran, unter Proleten von seiner politischen Anschauung zu sprechen. Sie sitzen rings um ihn, und er spricht langsam, scharf, akzentuiert und ein wenig überlegen, als spräche er zu Menschen, die seine Beweisführung von vornherein als Offenbarung aufzunehmen gewillt sind.
,, Natürlich muß Hitler versagen, das war schon vor Jahren vorauszusehen. Er hat sein eigenes Programm verraten und sich an Krupp und Thyssen verkauft. Was hat er bis heute dem deutschen Volke geboten? Goebbelssches Blendfeuerwerk, aber keinen Sozialismus. Sind die Banken verstaatlicht? Ist die Zinsknechtschaft gebrochen? Ist die Schande von Versailles getilgt? Nichts von alledem, nur Lug und Trug und der alte reaktionäre,
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