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Die Prüfung : Roman aus einem Konzentrationslager / Willi Bredel
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engel! Atemlos steht jeder da und hofft, daß sein Name auf­gerufen wird.

,, Gottfried Miesicke!"

,, Ja, hier!"

,, Los, los! Willst du nicht herkommen?"

Miesicke rennt nach der Tür, stellt sich vor die drei Wacht­meister und blickt, vor Aufregung den Atem anhaltend, auf den ,, Erlöserengel".

,, Na, Miesicke, was würdest du sagen, wenn du jetzt entlassen würdest?"

" O- oh, Herr Wachtmeister..." Mehr kann Miesicke nicht sagen, denn er weiß jetzt, daß er entlassen wird. Entlassen! Frei! Nicht mehr strammstehn. Nicht mehr exerzieren. Keine Zuchthauskleider mehr. Entlassen!

,, Also Sachen packen. Aber dalli. In zwei Minuten bist du fertig!" " Jawohl, Herr Wachtmeister!" Miesicke zittert, diesmal vor Freude. Harden und Riedel lachen. Zirbes donnert mit Boots­mannsstimme: ,, Vorher wirst du aber noch dreimal um den Hof hüpfen! Also mach dich fertig, wir kommen gleich wieder." Miesicke wird umringt, beglückwünscht, beneidet. Zwei ziehen sein Bett ab und packen die Anstaltssachen zusammen. Was gut an seinen Sachen ist, wird mit schlechteren getauscht. Miesicke muß einen Zettel unterschreiben, daß die Rauch- und Fett­waren, die er bestellt hat, dem Saal verbleiben. Was er ent­behren kann, gibt er ab. Von den fünf Mark und vierzig, die er besitzt, behält er vierzig Pfennige Fahrgeld; die fünf Mark läßt er auf dem Saal. Auch Zahnbürste, Rasierzeug und Kamm, die ihm seine Frau erst vor wenigen Tagen hereinschicken konnte, übergibt er Welsen, dem Stubenältesten, zur Verteilung an Kameraden.

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