Druckschrift 
Die Prüfung : Roman aus einem Konzentrationslager / Willi Bredel
Entstehung
Seite
163
Einzelbild herunterladen

Und Sie haben aus dieser Erkenntnis keine Konsequenzen ge­zogen?"

" 1

Wie meinen Sie das? Ich sagte doch schon: Politik ist kein Pferderennen!"

,, Sie wollen mir also erzählen, daß Sie ganz bewußt in Ihr Un­glück gegangen sind?"

,, In mein Unglück? Wieso? Herr Heildiener, ich bin Kommunist, kämpfe für ein sozialistisches Deutschland . Ich bin Marxist. War vor dem Kriege Sozialdemokrat und wurde Kommunist. Das war um die Zeit, als die SPD an die Macht gelangte. Ich bin also, nach Ihrer Meinung, schon damals bewußt in mein Unglück ge­gangen. Sie hätten es scheinbar eher verstanden, wenn ich Polizeipräsident oder Minister geworden wäre. Aber ich kämpfe für den Sieg der Arbeiter, für den Sozialismus und laufe nicht mit jedem Pferd, das im Augenblick Siegeschancen hat!" ,, Und Sie selber gehen dabei womöglich vor die Hunde!" ,, Das ist möglich. Doch das ist vor mir Tausenden und aber Tausenden schon so ergangen. Der Klassenkampf ist eine ernste Angelegenheit!"

Als habe er die letzten Worte gar nicht vernommen, erklärte der Heildiener: Ich persönlich verachte die Sozis mehr als die Kommune. Die Kommune kann man hassen, die Sozis muß man verachten. Diese korrupten Mistfinken... Wann, glauben Sie, hat der Kommunismus in Deutschland Chancen?"

Torsten lächelt. Diese plötzliche Frage verrät alles. Der SS­Mann, der da vor ihm steht, glaubt nicht, was sein Führer Himmler sagte.

,, Der Reichsführer der SS, Himmler, schätzte letzthin die Dauer der Herrschaft des Nationalsozialismus auf 50 000 Jahre!" ,, Ach Quatsch! Wer sich wohl für so dumm verkaufen läßt! Aber

11*

163