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Die Prüfung : Roman aus einem Konzentrationslager / Willi Bredel
Entstehung
Seite
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Der Wachtmeister kommt langsam vom unteren Ende des Korridors. Das Flüstern, Raunen, Kopfdrehen unterbleibt; alle stehen wie leblose Figuren und starren gegen die Wand. Kaum hat er den Rücken gekehrt, geht das Zischeln und Flüstern wie­der los.

,, Ich hab' Montag Termin! Gott sei Dank! Raus hier aus diesem Folterhaus!"

,, Weswegen?"

,, Beihilfe zum Mord! Die Sache von Grevenweg, wo sie unseren Genossen Merker erschossen haben!"

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Wieso Beihilfe zum Mord?"

,, Da ist auch ein Polizist bei hops gegangen. Das wollen sie uns jetzt in die Schuhe schieben!"

Der Kalfaktor Alwin kommt zurück. Im Vorbeigehen drückt er einem Genossen etwas in die Hand. Der Wachtmeister sieht ihn bei den kranken Gefangenen.

1!

Was machst du denn da?"

,, Ich suche meine Handschaufel, die muß ich hier stehengelassen haben", antwortet unbefangen der Kalfaktor.

,, Such deine Klamotten vorher zusammen!" Der Kalfaktor gibt das Suchen auf.

Die Abfertigung beim Heildiener geht bewundernswert schnell. Kaum wird ein Kranker ins Zimmer gerufen, ertönt auch schon wieder der Ruf: Der nächste!" Torsten ist der letzte der Reihe, vor ihm stehen die vier Kranken von A1. Dieser Gang zum Heil­diener ist tatsächlich eine angenehme Unterbrechung der Dunkel­haft. Licht, Menschen, Stimmen, gleich fühlt man sich wohler. Er muß Kreibel durchklopfen, daß auch er versuchen soll, zum Heilgehilfen zu kommen. Die Reihe der Kranken wird zusehends kürzer. Jetzt wird der erste von den vieren der Station A 1 auf­gerufen. Torstens Vordermann ist verschüchtert und überängst­

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