Für achtundfünfzig Mark Bestellungen kommen zusammen. Mie- sicke, der von seiner Frau Geld geschickt bekommen hat, bestellt für drei Kameraden, die wohl starke Raucher sind, aber kein Geld haben, Pfeifentabak. Er selbst leistet sich zwei Dutzend Brasil- zigarren und fünfzig gute Zigaretten. Der Saal ist in Hochstim- mung...
Kurz vor Einschluß kommt Lenzer. Achtundfünfzig Mark. Ein guter Start. Er überfliegt die Liste der Bestellungen...
„Zwei Dutzend Brasilzigarren, 25 Pfennig das Stück, fünfzig Atikah? Gott verflucht, wer ist denn der Kapitalist, der sich das leistet?”
Miesicke meldet sich schüchtern.
„Ah, Miesicke!? Immer dasselbe... Diese Juden haben doch Geld wie Scheiße! Na, ist gut, morgen habt ihr eure Sachen. Aber — Maul halten!”
Lenzer erwischt Meisel auf dem Korridor.
„Also wie ist es? Machst du mit?”
„Mensch, ich weiß nicht!”
„Hier! Achtundfünfzig Mark! Eben eingesammelt. Nur ein Saal! Rund gerechnet zwanzig Mark Verdienst!”
_ Das gibt Meisel den entscheidenden Stoß.„Also, abgemacht, ich
mach’ mit!”
„In Ordnung!” Sie geben sich die Hand.
„Aber“, stutzt Meisel,„worin besteht denn eigentlich meine Mit- arbeit?”
„Na ja, du wirst mir helfen. Beispielsweise das Geld mit ein- sammeln... Und, wenn es mal nötig sein sollte, einiges mit in deiner Aktentasche verstau’n!”
„Und vom Verdienst Halbpart?”
„Vom Reinverdienst Halbpart! Nimm man gleich noch’n Taler
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